“Der Nazi von Ecklak” #gegendasVergessen

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“Der Nazi von Ecklak”

… so nenne man ihn ab und an, und zwar immer dann, wenn man nichts Genaues wisse außer das: Der Frank ist der Sohn vom Frank, erzählt Niklas Frank im Interview.

Immer wieder kreuzt Niklas Frank meine Wege.
Einmal wäre ich beinah an den Schliersee gezogen, wo Familie Frank Geschichte schrieb.
Später brachte mich mein Leben an den Nord-Ostsee-Kanal,
einen Steinwurf entfernt vom Haus der Franks.

Niklas Frank ist Journalist und Buchautor und so alt, wie mein Vater.
Sein Vater wurde 46 und starb an einem Galgen.
Hans Frank war Generalgouverneur von Polen und Hitlers Gnaden.
Er ging als “Schlächter von Polen” in die Geschichte ein;
und als einer der wenigen aus den Nürnberger Prozessen hervor,
die wir aus dem großen, strammen Heer von Mördern und
Mordshelfern zur Rechenschaft zogen.
Frank hinterließ seine Frau Brigitte – die “Königin von Polen”,
und die fünf Kinder sich selbst.
Davon lebt noch Niklas Frank.

Immer, wenn ich ihn sehe, beim Mähen, im Garten, beim Bäcker, am Kiosk, möchte ich ansprechen auf all das. Ich möchte etwas Tröstliches sagen, etwas Menschliches – etwas Kluges.

Es gibt viele Interviews und Fernsehbeiträge über ihn und mit ihm.
Immer wieder steht er Rede und Antwort.
Immer wieder sind es dieselben Fragen, die man ihm stellt.

Und immer wieder fragen die Leute laut:
“Wie konnte er nur …?”

(Nicht der Vater – der Sohn! Diese Bücher schreiben:
“Der Vater: eine Abrechnung” (1987) und
“Meine deutsche Mutter” (2005))

“Ich will jeden Tag sichergehen, dass er tot ist”, sagt N. Frank und hält ein Foto seines hingerichteten Vaters in der Hand.

“Alles, was an mir menschlich ist, verdanke ich Hilde”, sagt er im Film
“Vater Mörder – das Erbe von Niklas Frank”.
(Hilde war das Kindermädchen, das ihn und seine Geschwister durch die Kindheit begleitet hat.)

Und weil es nicht (und noch immer nicht) das Entsetzen über die Gräuel des Vaters, sondern die Empörung über die schonungslose Abrechnung des Sohnes ist, das die Menschen aufwühlt und erregt, nehme ich mir ganz fest vor:

Nächstes Mal, lieber Herr Frank, wenn ich Ihnen begegne, dann spreche ich Sie wieder nicht darauf an.
Aus Respekt.
Und aus Achtung.
Und in Anerkennung.

Ich empfehle den Beitrag aus der Reihe “Lebenslinien” von Gabriele Dinsenbacher.

 

Vater Mörder – das Erbe des Niklas Frank

 

Im Arbeitsprozess an diesem Film habe ich mich mit Hochachtung dem Menschen Niklas Frank genähert. Ich habe ihn als liebevollen Ehemann, Vater und Großvater wahrgenommen. Das ganze Film-Team hat ihn als geduldigen, umsichtigen und vor allem auch lustigen Partner im Filmalltag erlebt. Während der Dreharbeiten gab es aber auch immer wieder Situationen, in denen der alte Schmerz ihn gekrallt hat, wenn er mit dem Vater konfrontiert wurde, mit dessen Stimme in Reden oder an den Plätzen seiner Verbrechen.”

Link:
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/lebenslinien/lebenslinien-vater-moerder-100.html

 

 

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