Brachycera und die Fleisch fressende Standuhr


Der Frühling ist da und mit ihm die gemeine Fliege, wissenschaftlich Brachycera genannt.

Da hilft es nichts, dass Brachycera – ganz wie wie wir selbst – zu den Spaltschlüpfern zählt: Sie macht uns irre, wenn sie um unsere Ohren surrt und uns mit ihrem stoischen Todesmut an den Rand des Wahnsinns zu treiben pflegt.

Sie krabbelt über die Frühstücksauslagen, weidet sich an den Früchten unserer Arbeit. Sie schwirrt benommen und scheinbar ziellos um unsere Nasen. Sucht sich in bewundernswerter Ausdauer die immer selben Landeplätze auf nackten Beinen, an bloßen Armen und hie und da an Körperstellen, die wir recht selten nur der Sonne preisgeben. Sie lässt sich weder verwirren noch abhalten von schwerer Dresche mit der Tageszeitung, noch von Handkantenschlägen, die einen Schwergewichtler aus den Latschen kippen würden.

Brachycera ist ein zähes Luder, vermehrt sich sprichwörtlich und scheint allein auf dieser Welt zu sein, um uns das Leben schwer zu machen. Würden wir genauer hinsehen, so bietet dieses kleine Flügelvieh durchaus Anlass zur Bewunderung.
Sie macht sich die Van-der-Waals-Kräfte zu Nutze, mit Hilfe derer sie ohne weiteres an spiegelglatten Flächen Halt findet.

Brachycera ist überdies eine wahre Virenschleuder und damit schlagkräftiger in ihrer Vernichtungskraft, als jedes von Menschen ausgeklügelte Kampfsystem. Als jedes …?

Mitnichten! Zwei Briten schlagen die Fliegen mit einer Klappe!
(Aus dem Spiegel) Die beiden Designer haben eine fleischfressende Wanduhr gebaut. Batterien braucht sie nicht. Den nötigen Strom gewinnt die Uhr aus den Fliegen, die sie fängt und verdaut. An ihrer Vorderseite ist ein klebriges Fließband befestigt. Die angelockten Fliegen bleiben daran haften, um am Ende des fahrenden Bandes in eine Verdauungsflüssigkeit zu fallen. In dem Tank schwimmen Bakterien, welche die Tiere langsam zersetzen. Dabei entsteht ausreichend Energie, um die digitalen Ziffern und den Motor für das Fließband anzutreiben. Die Designer James Auger und Jimmy Loizeau haben sich mehrere solcher selbstversorgenden Möbel ausgedacht. Ein Tisch etwa fängt Mäuse. Die Tiere können durch ein Loch im Tischbein auf die Tischplatte kriechen, wo ein Köder liegt. Treten die Tiere dort auf eine Klappe, öffnet sich eine elektronische Falltür, und die Mäuse stürzen ebenfalls in einen Bakterientank – wo wiederum der Strom für den Falltürmechanismus erzeugt wird. Inspirieren ließen sich die beiden Künstler von fleischfressenden Pflanzen.

http://www.auger-loizeau.com/index.php?id=13

Aus der Reihe: ‚Wem die Stunde schlägt.‘

 

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

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