MissGlueck zwitschert …


Zwitschern (auch Twittern genannt) ist eine recht merkwürdige Form der zwischenmenschlichen Kommunikation.
Wenn man bedenkt, wie viel Zeit verging, bis von Mensch zu Mensch in vollständigen Sätzen gesprochen wurde, dann ist es umso erstaunlicher, dass man nun wieder dazu übergeht, sich in merkwürdigen Lauten und Zeichen zu verständigen.

Ganze 140 Zeichen stehen mir zur Verfügung, das loszuwerden, was ich mitteilen will.
Ja, Sie haben richtig gelesen. Einhundertvierzig.
(Sämtliche Buchstaben, Zeichen und vor allem AUCH Leerzeichen mit gerechnet!)

Ich bitte Sie – welche Frau schafft es, mit 140 Zeichen auszukommen?

Mein erster Text scheiterte auch direkt daran, dass alleine der von mir ausgesuchte Link, mit dem ich auf etwas sehr Originelles
– und damit auf mich – aufmerksam machen wollte, ganze 112 Zeichen verschlang. Das Smiley am Ende nicht mit gerechnet.
(macht 3 Zeichen zzgl.)

Was also tun? (Ich gebe zu, ich frage nicht gern öffentlich, zumal das Ziel von Twitter ja sein soll, Texte zu multiplizieren, auf dass sie möglichst viele erreichen.)

*Gugg mal, die Lusche peilts nicht*

Also habe ich selbst gesucht.
Richtig klasse! Es gibt Seiten, die verunstalten Mammut-Links bis zur Unkenntlichkeit und reduzieren sie gleichzeitig auf wenige Zeichen.

Also ran an an das Ding.
Es funktioniert. Wow!
Ich speichere, kopiere und will twittern, da denke ich:
Heike, Heike – schau sicherheitshalber noch einmal nach.
Guter Gedanke, wie sich herausstellt, weil ich versehentlich beinahe den sich im Zwischenspeicher befindlichen Link der Klinik für Darmkrebsvorsorge
auf die Reise geschickt hätte.

(Wenn Sie weiter lesen, werden Sie feststellen, dass das eigentlich recht gut zum Thema gepasst hätte.)

Über meine Recherchen zum klugen, stilsicheren Twittern nämlich bin ich auf einer Seite gelandet, die Favoriten listet.
Also die Stars der Twitter-Zunft.
Auf einer Fav-List. (Favoriten-Liste)

Und siehe da – ich finde Frauen, die mit 140 Zeichen wirklich Punkte sammeln!

Ein Beispiel gefällig?

“Wer sich einen Stock in den Arsch schiebt, beweist noch lange kein Rückgrat.”
(Bitte um Verzeihung für die fehlende Quellangabe, ich hatte Mühe allein, mir diesen Text zu merken.)

Das kannst du auch! (nicht das mit dem Stock), hab ich mir gesagt.
Du wirst es schaffen, mal Klartext zu schreiben und dich auf’s Wesentliche zu konzentrieren.
Also hab ich mich postwendend an obigem Beispiel versucht.

Das sah in etwa so aus:
Befreien Sie eine etwa 30 cm lange Weidenrute von all ihrem Laub und etwaigen Knospen (es muss ja nicht zusätzlich schmerzen, oder?).
Die Rute sollte recht gerade gewachsen und frisch geschnitten sein.
(Dadurch bleibt sie weich und biegsam).
Entkleiden Sie sich nun unterhalb der Gürtellinie und führen sie die Rute langsam und sorgfältig rektal ein.
Fertig?
Das haben Sie gut gemacht!
Sie sollten sich allerdings nicht setzen, ehe Sie sich dessen bewusst sind, dass das Einführen eines Stockes auch nicht im mindesten der Förderung ihrer Charaktereigenschaften dienlich ist.

Unter Umständen würde ich den Probanden (so ich noch Zeichen frei hätte) nun darum bitten, sich vorsichtig des Fremdkörpers zu entledigen, sich dann anzukleiden, und so es denn ginge, Platz zu nehmen.

Grob geschätzt sind das 900 Zeichen und die knackige Pointe, das gebe ich gerne zu, versteckt sich irgendwo dazwischen.

Gut – ich bin ja auch in den Anfängen und muss mich – wie es aussieht – ganz klar entscheiden:

Was will ich eigentlich von Twitter?

A. Auf einer Fav-Liste landen und berühmt werden?
B. Ohne Fav-Liste berühmt werden?
C. Ohne berühmt zu sein, interessante Kontakte knüpfen?
(… um später dann berühmt zu werden?)

Ich habe mich für Variante C. entschieden.

Und festgestellt, dass es Dank der Hilfe einiger freundlicher, interessanter und interessierter Zeitgenossen durchaus möglich ist, binnen recht kurzer Zeit innerhalb dieses ‘Kurzsprech-Mediums’ Teil einer überschaubaren Gruppe von Menschen zu werden. Meine ‘Folger’ und ‘Verfolgten’ befassen sich vorwiegend mit den Themen Wort | Schreiben | Buch | Autoren | Verlag etc.

Fazit Twitter nach 2 Tagen:

  • 140 werden immer zu wenig sein.
    (Ich räume ein, dass es perfekt ist, dass die anderen nur 140 haben, wer sollte das sonst alles lesen?)
  • Interessante Hinweise und Tipps zum Thema ‘Buch’
  • Menschen, denen ich sonst niemals begegnet wäre.

Und – das bleibt aber unter uns – ich hab mir den Namen von der Frau mit dem Stock da oben schon gemerkt.
Allein deswegen, weil mir – sollte Variante C. nicht fruchten – immer noch Variante A. bliebe. Und dann bin ich auf sie angewiesen.

Variante A.

Frau twittere

  • die Worte Muschi, Vagina, Vögeln, Ficken und etliche einschlägige andere zu kurzen Statements, die auf eine nicht inszenierte, mädchenhafte Rotzigkeit schließen lassen.
  • lasse kein Tabu aus und schöpfe aus dem Vollen der untersten Schublade
  • untermale das Ganze in lasziver Unschuldspose

und – jetzt kommt der kleine Haken –

  • schaffe all das mit den elendigen 140 Zeichen.

Fortsetzung folgt …

März 2011
/h. pohl

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

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