Der Hahn ist tot. Es lebe der Hahn.


Noch ahnt er nichts von seinem Schicksal.
Er kommt uns oft besuchen.
Stolziert aufrechten Kammes,
ein Bein überaus elegant vor das andere setzend,
quer über die Obstwiese.
Pickt hier.
Pickt dort.
In Begleitung seiner Damen.
Und!
Des Rivalen.
Der andere ist älter. Hat das Platzrecht. Doch im Augenblick schert das keinen.
Sie picken hier des Hungers wegen. Die Liebe, sie muss warten.

So geht es den Sommer über.
Scheint die Sonne, dann leuchtet sein Federkleid weithin fuchsrot.
Ein schönes Tier.

An einem Tag im Herbst, es ist Abend, da beginnt seine kurze Reise.
Der Rivale siegt.
Einer muss vom Hof.
Er.
Menschen sind klug. Sie kommen im Dunkel.
Da regt sich kein Hahn mehr.
Und auch keine Henne.

Umzüge Sowieso – so steht es auf dem Karton.
Der wechselt von Hand. Zu Hand.
Einen Namen hat er auch.
Den will ich nicht wissen.
Feige, ja. Aber für das kommt, brauche ich Mut.

Ein Holzblock. Ein Beil.
Die Männerhand ist kräftig.
Es geht so schnell.
Es ist dunkel.
Da regt sich kein Hahn mehr.
Und auch keine Henne.

Der Kessel dampft in die herbstliche Nacht.
Das grelle Licht. Es beleuchtet die stille Kulisse.
Tropfen für Tropfen. Es dauert – und doch geht es so schnell.
Bis das Blut den warmen Körper verlässt.

Der Kessel dampft in die herbstliche Nacht.
Die Hitze des Wassers löst Feder für Feder.
Der Geruch von Blut. Von heißen Federn.
Das Tier ist nackt und warm und bloß.

Wo anfangen? Wo aufhören?
Ich schneide durch Fleisch.
Es dampft.
Herz. Leber. Nieren. Galle.
Halte ich in meinen Händen.

Vor mir liegt ein Tier.
Ein Lebewesen.

Der Hahn ist tot.

________________________________________

17,1 kg Geflügel vertilgt der durchschnittliche EU-Bürger pro Jahr und Kopf.
(Quelle: lme)
In der Regel in Vakuum verschweißt, bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, auf Tamponaden gebettet, in Batterien geboren, elendig überlebt, in Massen getötet.
Wer vegetarisch lebt, lebt konsequent.
Wer Fleisch isst, von dem wünsche ich mir Respekt vor dem Leben.

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

Ein Kommentar

  1. Pingback: Von blonden Schweinen, gefiederten Nonnen, dem Menschen und dem Nutzen… | LandGlück

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