Vom Recht, zu brabbeln …


Siegfried K. und seine Frau Lotis waren ein Paar.
Bis zu jenem Tag, an dem die Philippina verschwand.
„Auf Urlaub .. oder zu was Privatem …“, wie der befragte Gatte vermuten ließ.

Das Paar lebte längst getrennt, einziger Berührungspunkt: Das gemeinsame Kind.
Siegfried wollte das alleinige Sorgerecht.
Lotis sagte zu, das allerdings nur über ihre Leiche, wie sie verlauten ließ.

Abgesehen von der noch zu klärenden Frage, ob der Ex-Gatte das nun als Einladung verstanden haben möge, wurde Herrn K. eine kleine, durchaus folgenschwere Angewohnheit zum Verhängnis:
Er führt oft und gerne Selbstgespräche.

Richterlich genehmigt nämlich, hatte die Polizei sein Fahrzeug abgehört.
Alleine, mit sich und der Straße, ließ Siegfried K. unter anderem wissen:
„Oho, I kill her, oh yes.“

Vom Landgericht Köln wurde er daraufhin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Höchstrichterlich hingegen ist längst nicht geklärt, ob diese verdeckt aufgenommenen Selbstgespräche als Indizien herangezogen und damit gewertet werden dürfen.

Bis also der Bundesgerichtshof in Karlsruhe nun entschieden hat, ob Selbstgespräche als erlaubtes Beweismittel vor Gericht anerkannt werden, ist Vorsicht zu empfehlen.

Achten Sie also genau darauf,

  • wen Sie wohin wünschen
  • wem Sie was antun wollen und warum
  • wen Sie verfluchen
  • oder am Ende gerne am liebsten murksen möchten

in Ihrer ganz privaten Gedankenwelt, die Sie murmelnd, fluchend, zischend, zornig, knurrend, murrend zum Selbstgespräch werden lassen.

Es prüfe, wer sich brabbelnd kund tut,
und bleibe darum besser mundtot.

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

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