Fairplay? Über Mobbing in einer Community


Mobbing.

Jeder weiß, was das ist.
Und viele wissen, wie es sich anfühlt.

Es fällt mir schwer, diesen Artikel zu beginnen, weil mir unbegreiflich ist, worüber ich schreiben will. Will – das ist wohl der falsche Begriff. Ich muss darüber schreiben, weil ich seit einigen Tagen miterleben muss, wie ein Mensch und seine Arbeit dreist und völlig hemmungslos mit Häme und Spott bedacht werden.

Wie gering der Anlass dafür ist und wie groß das Ausmaß der anonymen Diffamierung,
beides in Zusammenhang gesetzt, trifft die Grundfeste meiner Vorstellung von Fairness, Sportsgeist und gesundem Wettbewerb.

Cyber-Mobbing. Die Grenzen sind fließend: Die Hemmschwelle, im Internet andere auszulachen oder zu verhöhnen, ist gering. In der Anonymität des World Wide Web muss ein Täter seinem Opfer nicht in die Augen blicken, eine unmittelbare Rückmeldung für das eigene Verhalten bleibt (zunächst) aus und in der Folge auch das Bewusstsein und Empfinden für das mögliche Ausmaß und die Qualität der Verletzung der Betroffenen. Es ist einfach, Unwahrheiten zu äußern: dieser Effekt wird auch als Online Disinhibition Effect (dt. Online-Enthemmungseffekt) bezeichnet: Es fällt Menschen schwerer, ihre Impulse zu zügeln, wenn soziale Kontrolle weg fällt oder nicht spürbar ist. (Quelle: Wikipedia)

Zwei der genannten Ursachen für ein solches Verhalten fallen mir ganz besonders ins Auge:

Lese ich mich schlauer zum Thema, dann wird dem Opfer empfohlen, rechtzeitig/zeitnah den Tätern Grenzen zu setzen.

Das ‚Opfer‘ im von mir erwähnten Fall verhält sich vollkommen ruhig und lässt die ganze Aktion unkommentiert. Darum möchte ich auch nicht von Opfer sprechen. Vielmehr eher von einem besonnenen Menschen, der versucht, dieser Situation gewachsen zu sein und sich nicht provozieren zu lassen.

Äußerst interessant ist, dass der Begriff Mobbing in seinem Ursprung aus dem Verteidigungsverhalten von Tieren stammt.
Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat den Begriff Mobbing (Hassen) geprägt: Er bezeichnete damit Gruppenangriffe von Tieren auf einen Fressfeind oder anderen überlegenen Gegner – dort von Gänsen auf einen Fuchs. Der schwedische Arzt Peter-Paul Heinemann verwendete 1969 den Begriff für das Phänomen, dass Gruppen eine sich von der Norm abweichend verhaltende Person attackieren.

Fressfeinde.
So sind wir am Ende also Fressfeinde, in einem Wettbewerb mit Chancengleichheit für alle Teilnehmenden?
Halt. Das muss ich relativieren – das Wort ‚Chancengleichheit‘.
Sie bestünde nur dann, wenn alle über das gleiche Talent, die gleiche Begabung, den gleichen Fleiß und den gleichen Sinn für Anstand verfügten.

Das Gegenteil ist definitiv bewiesen.

Und so anonym, wie sie gerne daher käme, diese unsägliche Aktion, ist sie längst nicht geblieben.

Den Auslösern jedenfalls wünsche ich ein Stück Selbsterkenntnis.
Angestoßen durch die Möglichkeit sozialer Kontrolle, die auch und gerade in diesem Fall gegeben ist.

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

23 Kommentare

  1. Trug sich das alles bei neobooks zu? Denn da würde ich eine Moderation von Verlagsseite aus erwarten.

  2. Ich hätt die Geschichte gern ein bissl konkreter. So ein Troll wär vielleicht demnächst vorsichtiger, wenn er/sie kenntlich gemacht würde,

    • Erstaunlich ist, dass ich keine Namen genannt habe und der ‚Troll‘ auch so reagiert hat. Ich gebe Ihnen schon Recht: Ross & Reiter sind mir auch am Liebsten. Dass sie hier nicht zu finden sind, ist bewusst so gewählt. 🙂

  3. Ein wichtiges Thema, denke ich. Manchmal helfen auch die Ärzte mit „Lass sie reden“!
    Liebe Grüße,
    Sylvia

  4. Mart Wolff

    Bei gerichtsverwertbaren Indizien erbitte ich einen vertrauensvollen Hinweis an mich.
    Erwähnte ich überdies, dass ich Anwältin bin?
    😉

  5. Mart Wolff

    Es ist oftmals das Schicksal schöner Schmetterlinge von häßlichen Kröten gefressen zu werden. Manchmal landen saturierte Kröten, die ob ihrer Beute glücksbesoffen über die Straße wandeln, unter Breitreifen.
    Gönnen wir es Ihnen und den mobbenden Kröten im www!
    Erwähnte ich, dass ich für charakterlose Menschen nur Breitreifen übrig habe?
    🙂
    Beste Grüße,
    M.

  6. Hallo, ich hatte letztens eine Klientin mit diesem Problem. Ich selber wurde schon mal in der realen Welt gemobbt, keine sehr schöne Erfahrung. Jedenfalls: an alle Cybermobber: ein wirklich schicker Nebeneffekt war, dass meine Klientin sehr viel mehr Zulauf auf Ihre Produkte hatte, und da die nun mal gut sind, dadurch mehr Erfolg. Jajaja, Wer anderen eine Gräbe grubt…….
    In diesem Sinne
    Und den Betroffenen „Nicht-Mobbern“ (ich mag das Wort Opfer auch nicht) wünsche ich viel Kraft. das löst sich auch wieder auf.
    Alles Liebe
    Andrea

  7. Super Artikel, liebe Heike, du hast es auf den Punkt gebracht.

  8. Sonja

    Super Artikel. Ich hoffe er wird auch von den Mobbern gelesen und verstanden und nicht nur von den Opfern.

  9. Hallo, ich hatte im letzten Jahr einen Blogmobber (weiblich). Habe gestern nun herausgefunden wer es war und auch warum…der Mobber sagte mir, dass es so war, weil sie „…einfach ein Opfer brauchten an dem sie sich auslassen konnten“
    Meine Art habe ihnen nicht gefallen und auch die Sachen, die ich herstelle nicht, und so nahm das Mobbing seinen Lauf!
    Dabei wissen die gar nicht, welche Scheiße ich schon erlebt habe!!!

    Was das Schlimmste an der Sache ist…beide sind nur 3 Jahre jünger als ich und ich werde demnächst 36!!!!!
    Wie kann man in DEM Alter noch solchen Mist machen???

    lg, und ich wünsche deinem „Opfer“ viel Durchhaltevermögen und Glück!!!!

  10. Toller Artikel! Ich finde ein solches Verhalten sagt viel ueber denjenigen aus der meint andere mobben zu muessen.

  11. Ich kenne jetzt den Vorfall nicht. Ich bin auf den Beitrag aufmerksam geworden, weil eine Ex-Kollegin es verlinkt hat.

    Im Cybermobbing sehe ich weniger eine Parallele zum Angriff von Fluchttieren auf ihren Fressfeind, sondern zu Heckenschützen die aus dem Hinterhalt auf jemanden feuern.

    Hat man sich mehr oder weniger anonym hinter seinem Computer verschanzt, fällt es einem vergleichsweise leicht, Gehässigkeiten abzusondern, die man demjenigen niemals ins Gesicht sagen würde. Wenn dann’s dann noch engagierte Mitmobber gibt, entwickelt das eine erschreckende Dynamik. Da geht’s mit den Leuten durch.

    Ich stell mir immer vor, wie klein mit Hut die Cybermobber wären, wenn das Objekt ihrer Mobbereien plötzlich leibhaftig bei ihnen neben dem Schreibtisch stünde.

    Und, ja, ich hab mich auch schon in Forums-Diskussionen verstricken lassen, für die ich mich im Nachhinein geniert habe.

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