Leseempfehlung: ‚Schiffbruch mit Tiger‘ von Yann Martel


‚Schiffbruch mit Tiger‘ ist im doppelten Sinne des Wortes ein echtes Geschenk.

Wäre ich blind geboren worden, ich wünschte, Yann Martel würde mir die Welt in seinen geschriebenen Bildern erzählt haben.
Selten habe ich einen Menschen so eindringlich, so sinnen froh und mit solchem Blick fürs Wesentliche, fürs Charakteristische, fürs Detail schreibend und beschreibend erleben dürfen.

Ob das nun Tiere sind, die Landschaft oder ob es um das Gefühlsleben, die Gedankenwelt, Angst, Schmerz und Verzweiflung seines Protagonisten geht – der Leser kann riechen, hören, schmecken und fühlen, worüber Martel da schreibt.
Wenn …
Wenn er sich denn – wie ich – auf die vollkommen absurd anmutende, verrückte und fantastische Wendung einlassen mag, die dieses Buch im zweiten Teil zu nehmen versteht.

Da stellt sich ein indischer Junge den großen und kleinen Fragen des Lebens, wächst auf im Paradies seiner Kindheit, dem zoologischen Garten den sein Vater führt, und nimmt mich mit auf die abenteuerlichste Lesereise meines Lebens.

Pi Patel macht sich mit seiner Familie auf den weiten Meeresweg von Indien nach Kanada. Der Vater mag Indira Ghandis Politik nicht, also beschließt man auszuwandern. Weit kommen Familie und Menagerie an Bord eines Schiffes unter chinesischer Führung allerdings nicht. Der Kahn sinkt bei Nacht und Nebel.
Und mein kleiner, kluger und überaus humoriger Held Pi Patel landet in einem Rettungsboot.

Dort ist er allerdings nicht alleine.
Mit an Bord sind Richard Parker (ein ausgewachsener bengalischer Königstiger), eine Hyäne, ein schwer verletztes Zebra und eine Orang Utan-Dame.

Was dann folgt, ist eine absolut fantastische Mischung aus ‚Robinson Crusoe‘, ‚Herr der Fliegen‘ und ‚Der Insel der fünf Frauen‘.

Ob man diesen ungewöhnlichen, atemberaubenden und auf jeder Seite spannend bleibenden Roman nun am Ende metaphorisch verstanden haben will oder aber sich einlassen mag auf die Vorstellung, dass sich diese aberwitzige Story genau so zugetragen haben könnte, das mag jeder halten, wie er will.

Für mich ist das eines der besten Bücher, das mir in den letzten Jahren in die Hände kam. Vielen Dank liebe Kratzi für dieses schöne Geschenk.

‚Schiffbruch mit Tiger‘
Roman von Yann Martel
veröffentlicht im Fischer Taschenbuch Verlag,
gelesen: 6. Auflage aus dem Januar 2005

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

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