Malocchio – Der böse Blick ~ Zum Romandebüt von Patrizia Zannini Holoch


~ Der Böse Blick ~

Der Glaube an seine unheilvolle Kraft findet sich in vielen unterschiedlichen Kulturen. Die ältesten Überlieferungen stammen aus der Zeit der Babylonier und Sumerer, in deren Keilschriften der Begriff IG-HUL zu finden war.
Beschrieben wird er in etwa wie folgt, nämlich:
ablehnend, hasserfüllt, wutentbrannt, stechend, durchdringend, durchbohrend, gerne auch neidisch.

Er umschreibt die Fähigkeit eines Menschen, alleine per Blick anderen Böses zuzufügen, Schaden anzurichten und am Ende gar einen Fluch auszusprechen, der durchaus auch tödlich enden kann.

Die einen fürchteten die Blicke der Toten und schlossen ihnen deshalb vorsichtshalber die Augen. Andere trauten ganzen Berufskreisen die ‚Gabe‘ des bösen Blickes zu, darunter fielen Geistliche, Gelehrte, Hebammen, Prostituierte und – ja tatsächlich – auch Ärzte. Noch bis ins 19te Jahrhundert hinein war man im gläubigen Islam der Meinung, dass man den Blicken der Frauen, die die Wechseljahre überschritten hatten, am besten aus dem Wege gehen sollte. Papst Leo XIII wurde bezichtigt, den Bösen Blick gehabt haben, da während seiner Amtszeit viele Kardinäle starben. Und so geht es munter weiter mit den Verdächtigen im Laufe der Geschichte.

Drängt sich nun dem ein oder anderen Leser die Frage auf:
Habe ich vielleicht selbst was mit den Augen? – so empfiehlt sich nachfolgende Versuchsanordnung:

„Beim bösen Blick musst du erst mal sehen, ob er vorhanden ist. Dazu füllst du Wasser in ein Glas. Danach tauchst du den kleinen Fingern in etwas Olivenöl und lässt es vom Finger in das Wasser tropfen. Wenn es sich auf der Oberfläche verbreitet, hast du es nicht; wenn das Öl Kreise bildet, hast du es […]“

Folgender Rat ist für all jene überliefert, die den Bösen Blick unter Freunden, Verwandten, Nachbarn und Bekannten vermuten:

„Nimm ein rohes Hühner-Ei und führe es am Körper des Verdächtigen entlang. Schlage es anschließend in ein mit Wasser gefülltes Glas. Zeigt es Trübungen, oder setzt sich ab, dann ist gut Rat teuer.“

Gegen den Bösen Blick und seine Folgen wird auf vielfältige Weise vorgegangen, so zum Beispiel wir hier beschrieben:
„Du sagst folgende Worte dreimal und nach jedem Aufsagen schlägst du das Kreuz über dem Kopf dreimal […] Vater Sohn und Heiliger Geist. Denk an deine Mutter, denk an deine Mutter. Lass uns auf der Seite der Heiligen Maria kämpfen. Zwei Augen haben mich angegriffen, vier Augen haben mich angegriffen. Erster, zweiter, sechster Heilge(r), das ganze Universum soll das Böse weg pusten.“

In Italien spricht man auch heute noch vom ‚Malocchio‘ ~ malo occhio – das böse Auge – dem Bösen Blick.

Ihm und seinen Folgen widmet sich der gleichnamige Roman von Patrizia Zannini Holoch, der am 3. August 2012 über Droemer Knaur als e-Book für alle Lesegeräte erscheinen wird.

Nach Ende des Krieges, irgendwo in der Nähe von Rom.
Maria, eine alte Italienerin, verflucht Jack, einen jungen, abenteuerlustigen Amerikaner, der scheinbar ihre Enkelin ins Unglück getrieben hat.
Maria schlägt alle Warnungen in den Wind, wohl wissend, dass sie das niemals tun sollte und löst mit dem Fluch eine Kette von Unglücksfällen aus, die über Generationen hinweg eine amerikanische Familie treffen wird.

Malocchio ist eine Familiensaga, ein atmosphärischer und bisweilen tragikomischer Roman über die Liebe, das Leben und das Schicksal. Das Buch entführt den Leser nach Italien, von dort in die USA bis hin nach Australien, kreuzt die Lebenswege interessanter, schillernder und ungewöhnlicher Figuren und plagt ihn bis zum Ende mit der Frage: Gibt es ihn tatsächlich, diesen Bösen Blick?
(Und wenn ja, greife ich zum Hühnerei oder besser zum Olivenöl?)

Ich freue mich von Herzen für Patrizia und ihren spannenden und ungewöhnlichen Roman und wünsche beiden jede Menge begeisterter Leser, Glück und Erfolg.

Toi. Toi. Toi. Oder – wie man in Italien sagt:

Buona fortuna!

Über die Autorin:

Patrizia Zannini Holoch wurde 1965 in Stuttgart geboren, wo sie auch aufgewachsen ist. Die Ferien verbringt sie häufig in Italien und lernt durch ihre dort lebende Familie diese parallele Heimat zu Deutschland kennen und lieben. Ihre Großmutter, ihre nonna, erzählt viel von früher, kocht nach alten Rezepten und lebt nach alten Traditionen. Heute lebt und arbeitet Patrizia Zannini Holoch als Autorin, Werbetexterin und freie Fotografin
in Stuttgart und Berlin und hat bereits mehrere Kinder- und Erstlesebücher veröffentlicht.
Mit zwei ihrer Kurzgeschichten (veröffentlicht) hat sie Preise gewonnen. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Mehr unter: http://malocchioderboeseblick.wordpress.com/

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

2 Kommentare

  1. Reblogged this on MALOCCHIO – Blog zum Buch und kommentierte:
    Miss Glück schreibt über „Malocchio“ und das mit dem Ei hatte ich noch nicht gehört …

  2. Liebe Heike, ich bin sprachlos. Danke für diesen wunderschönen Artikel.

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