Gelesen: Mayas Tagebuch von Isabel Allende


Foto: Blick auf die Stadt Achao (Quelle: Wiki/Nutzung: gemeinfrei)

447 Seiten Abenteuer, Spannung, Chiles Geschichte und jede Menge philosophischer Gedankenspiele nach den großen Fragen des Lebens, nach Sinn und Liebe, Angst und Verlust, Tod und Abschied – Isabel Allendes Roman entblättert.

Seinen Zauber verdankt dieser Roman der Isla Grande de Chiloé, der zweitgrößten Insel Chiles. Ihr und den Mythen, dem Aberglauben, dem ganz besonderen Charme der liebevoll beschriebenen Inselbewohner.

Das Tagebuch einer 18-Jährigen ist Allendes Roman ganz sicher nicht. Zum einen nicht in der Form und zum anderen nicht in der Glaubwürdigkeit der ‚Erzählerin‘ Maya Vidal.
Aus ihr spricht zweifellos Allende selbst in ihrem Wissen, ihrem Erfahrungsschatz, in der Reife einer erwachsenen Frau. Vielleicht hätte ein kleiner stilistischer Kunstgriff auch genügt, aus der abenteuerlichen Geschichte dieses jungen Mädchens den glaubhaften Rückblick auf Geschehenes zu gestalten. Dazu aber hätte die junge Protagonistin zum Zeitpunkt der Erzählung einige Jahre älter sein müssen.

Gestört hat mich diese Tatsache allerdings nicht wirklich. Ich bin Maya und ihrem Irrweg ins Drogenmilieu von Las Vegas, dem nicht zu verwindenden Tod ihres geliebten Großvaters und ihrer Flucht nach Südamerika gerne gefolgt. Eine deutliche Nummer zu groß allerdings waren mir dann die Verstrickungen in die Szene vom FBI gesuchter Geldfälscher und die finale Auflösung des ganzen Kriminalfalls. Das hätte nicht Not getan, Maya wäre auch so glaubhaft am Rande des Abgrunds angelangt.

Fazit:
Der im Wechsel zwischen Gegenwart (Exil in Chile) und Vergangenheit (Las Vegas) erzählte Roman besticht durch die Vielzahl überaus interessanter, liebenswerter und nicht zuletzt skurriler Haupt- und Nebenfiguren, durch den Zauber der Insel Chiloé und Allendes persönliche Nähe zur jüngeren Geschichte des lateinamerikanischen Landes. Drogenmilieu und -szene sind glaubhaft beschrieben, ebenso der qualvolle Kampf zwischen Sucht und Entzug. Er besticht auch durch Allendes wunderbar feinsinnigen Humor, dem ich in dieser Weise hier zum ersten Mal begegne. Das Buch überrascht in der Erwartung eines Romans dieser großartigen Schriftstellerin: Es ist anders, als das, was man bereits von ihr kennt.

Meine Leseempfehlung für Mayas Tagebuch,
eine weitere Hommage Allendes an Chile

Gebundene Ausgabe: 447 Seiten
Verlag: Suhrkamp

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

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