Mein ganz persönlicher Blick auf 2012


Eigentlich wäre ich ja gerne einmal im Rückblick um Jahre voraus gewesen. So aber schau ich – wie immer – dem scheidenden Jahr hinter her und hab die Hälfte und mehr von dem bereits wieder vergessen, was mich übers Jahr so bewegte.

Im Januar wird der Bundespräsident zurück getreten.
Die allgemeine Empörungswelle überrollt das deutsche „Prinzenpaar“ und bläst es von der Bühne. Aus dem Wulff wird ein Elefant, und von dem bleibt am Ende ein überschaubarer Misthaufen, wie er vor jeder Tür zu finden sein dürfte.
Der Weg zur eigenen Nasenspitze ist noch immer der kürzeste.
Finden Sie nicht? Fehlen allerdings wird der Mann mir nicht.

Im Februar verabschiedet sich Whitney Houston für immer von der Bühne und ihre Songs sind überall zu hören. Erfolg und Ruhm, Talent und Geld haben ihr kein Glück gebracht. Tröstlich? Traurig? Tragisch.
In Hollywood soll ein Jack-Russel-Terrier einen Oscar gewinnen. Ein neuer Trend?
Das Tier auf gleicher Stufe, wie der Mensch? Im Show-Bizz. Und auch bei den Mahlzeiten. Andensalz im Dosenfutter und von Hand gebackene Bio-Kekse für Hund & Katz bringen den Schwachsinn auf den Punkt.
Deutschland hat die Summe von 2 082 000 000 000 Euro im Schuldentöpfchen.
Können Sie diese Zahl auf Anhieb laut sprechen? Und wenn ja – begreifen?

Im März tritt Gauck an und im Nachhinein bleibt zu bemerken, wie ungemein angenehm der Auftritt eines Bundespräsidentenpaares in Afghanistan auch gewesen sein kann. Ganz ohne Show-Event im blutigen Irrsinn.
In China stürzt Bo Xilai über die eigene Gier und die seiner Frau. Bo Xilai?
Kennen Sie die Gesichter der Mächtigen im fernen China?

Im April sprechen die Norweger Recht über einen Mann, der mit dem Verstand nicht zu erfassen und mit dem Herzen zu hassen ist. Zum Ende diesen Jahres soll noch einmal deutlich werden, diesmal in den Vereinigten Staaten, dass der Mensch selbst des Menschen größter Feind ist. Und bleiben wird. Was auch immer sie sich einfallen lassen mögen, die Macher unserer Gesetze.

Im Mai fällt in der Emilia Romagna bei einem Beben der Stärke 6,1 Parmesan aus den Regalen und die Russen wählen ihren größten Selbstdarsteller ein weiteres Mal. Volksentscheid?

Juni und Juli vergehen, die Franzosen haben Hollande gewählt, in Syrien sterben Menschen für ihre Freiheit, Spanien und Griechenland darben und in Aurora – das Wort heißt übersetzt Morgenröte – wird Batman zum letzten Film für 12 Menschen.

Das kleine Wörtchen „Pussy“ dominiert die Medien im August und drei junge Frauen zeigen den Russen, dass man in Kirchen auch ganz anders kann. Auch in Spanien wird eine Kirche zum Mittelpunkt von Interesse: Renterin Cecilia Giménez wird zur Visagistin und glättet gänzlich ungefragt und zur weltweiten Erheiterung die Falten im Antlitz des Herrn.

Da ist es auch schon September
Menschen ohne Beine laufen weiter und schneller, als die meisten von uns auf zwei gesunden Füßen.
Harry zeigt versehentlich seinen Willi und die Briten sind alles andere, als amused. Facebook geht an die Börse, Aktien habe ich keine gekauft, aber im besten Fall wäre ich Teil der Dividende und im dümmsten ein Flop. Apropos Flop – so gesehen amüsieren auch die Meldungen aus Berlin, der Hauptstadt der Baustellen.

(Be-)Zeichnend auf den Punkt gebracht – eine Maschine über Berlin. In einer Sprechblase:

„Berlin-BBI? Klar, wir können Sie da gerne abwerfen.“


Oktober.
Herbststürme haben oftmals schöne Namen. An der Ostküste der Staaten heißt einer von ihnen Sandy und fegt zeitgleich über Dächer und Häuser und quer durchs Netz. Die Natur wütet dort, wo sie am meisten mit Füßen getreten wird. Es sind die Geister, die sie rufen und die ihnen Hab & Gut davon fegen.
Und auch sonst bringt der Oktober Sturm über die Welt: Bomben in Beirut und Tote in Afghanistan.
Ein bislang weitgehend unbekannter Österreicher fällt aus allen Wolken. Ein großer Schritt für ihn, ein kleiner für die Menschheit. Viel Lärm um nichts, wie so oft, in diesem Jahr.

Im November starten in Israel Raketen und in Indien gehen der geile Geiz der westlichen Welt und mit ihm 100 Menschen in Flammen auf.
Obama did it again. Geld regiert die Welt.

Zu Vermissen sind

Susanne Lothar ~ Donna Summer ~ Nils Koppruch ~ Wolfgang Menge ~ Peter Struck und viele andere, von denen allein Erinnerung bleibt.

Das Zitat des Jahres

George Clooney auf die Frage, was er vom Islamismus hält:

„Wer will schon 70 Jungfrauen? Ich hätte lieber 8 Professionelle.“

Mein schönster Augenblick im Jahr

Als mein Zeitungsbericht über die fast 5-jährige Wanderschaft eines jungen Zimmerer-Gesellen gedruckt auf meinem Tisch lag.

Klick: Einmal um die ganze Welt

Fragen, auf die es auch in diesem Jahr keine Antworten geben wird:

„… So now you’ve got the best of me. Come on and take the rest of me. Oh baby..“

Haben The Real Thing jemals ernsthaft geglaubt, das sei ein überzeugendes Argument?

Sowie:

Leben verheiratete Menschen wirklich länger, als Singles? Oder kommt es ihnen nur so vor?

Und:

Warum trugen Kamikaze-Piloten eigentlich Schutzhelme?

Menschen, die mich in diesem Jahr beeindruckt haben:

Irena Sendler (Schindlers unbekannte Schwester- Der Spiegel)

Ihr Mut und ihre Kraft retteten unzähligen Kindern des Warschauer Ghettos das Leben. Zum Artikel: Schindlers unbekannte Schwester

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(Bildrechte bei Mariusz Kubik)

Marlon Brando und Sacheen Littlefeather

Hamid Rahimi – The Dragon und sein Projekt „Fight für Peace“

Mehr dazu unter: Friedenskämpfer aus Hamburg

Nancy Salchow

die mir in ihrer positiven lebensbejahenden Art, ihrem Fleiß und ihrer Zielstrebigkeit, ihrem Sinn für Sprache und Humor und ihrer Kraft ein wunderbares Beispiel ist.
Ich wünsche dir, liebe Nancy, allen erdenklichen Erfolg mit deinen Romanen. Und alles, alles Gute für das kommende Jahr.

Das beste Buch 2012:

„Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada

Mehr dazu unter Eine Hommage an einen Schriftsteller

Das schlechteste Buch 2012

Ich habe jede Menge gelesen, es waren gute darunter, bessere und beste. Das mit Abstand schlechteste Buch allerdings ist mein eigenes. Nämlich das, das ich auch in diesem Jahr einmal mehr nicht geschrieben habe.

Mein Ärgernis des Jahres:

Bede ist 16 Jahre alt, ein fröhlicher amerikanischer Teenager mit Down Syndrom. Als seine Eltern mit ihm 1. Klasse mit American Airlines fliegen wollen, verweigert ihnen das Bordpersonal, den Flug anzutreten. Bede, so sagt man den bestürzten Eltern, sei ein Sicherheitsrisiko.

Bleibt zu hoffen, dass es Bedes Vater mit Hilfe seiner Anwälte gelingt, die Luftline so richtig, richtig in den Arsch zu treten.

Mehr dazu unter: Bede will fliegen

Der beste Film 2012:

La Vida Secreta de las Palabras – Das geheime Leben der Worte.
(gesehen auf ARTE)

Mehr dazu unter: Das geheime Leben der Worte

Was bleibt:

Ich bedanke mich bei all meinen Lesern und wünsche von Herzen ein gutes, gesundes und glückliches Jahr 2013. Bis neulich …

Ihre Heike Pohl

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

2 Kommentare

  1. toller Jahresrückblick. Alles Liebe und auch dir viel Erfolg mit deinen zweitschlechtesten, nämlich geschriebenen Büchern… 🙂

    Mona

  2. Große Klasse, dieser Jahresrückblick – die ganze Zeit sind welche im Fernsehen, aber dieser hier ist wesentlich besser!
    Liebe Grüße, leuchtende Weihnachten und die allerbesten Wünsche für dich. Ich freue mich auf weiteren kreativen Austausch im neuen Jahr.
    Patricia

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