Leseempfehlung – „Der illustrierte Schimmelreiter“ von Jens Rusch (nach der Novelle von Theodor Storm)


„Der illustrierte Schimmelreiter“ von Jens Rusch

„Herr, Gott, nimm mich, verschon’ die anderen!“, schreit der Schimmelreiter gegen die tosende See Illustration, mit freundlicher Genehmigung von Jens Rusch / ©Jens Rusch

„Herr, Gott, nimm mich und verschon‘ die anderen“ Illustration, mit freundlicher Genehmigung von Jens Rusch / ©Jens Rusch

Der eine war bekannt für die Kraft seiner Worte, der andere zaubert u.a. mit Pinsel und Farben und beflügelt die Fantasie des Betrachters. Was Theodor Storm und der Dithmarscher Künstler Jens Rusch gemeinsam haben? Den „Schimmelreiter“, den im Norden vorzustellen sich ein „Südlicht“ kaum anmaßen möchte. Die Geschichte vom Deichgrafen Hauke Haien dürfte unzähligen Lesern bekannt sein, sodass ich sie hier nur kurz anreißen möchte. Selbiges gilt auch für das Gesamtwerk von Jens Rusch, einem Tausendsassa unter den bildenden Künstlern, von dessen Kreativität und Schaffenskraft sich jeder in seiner Galerie in Brunsbüttel oder auf seiner Internetseite www.jens-rusch.de gerne selbst überzeugen darf.

Die Novelle „Der Schimmelreiter“ wurde im April 1888 in der Zeitschrift „Deutsche Rundschau“ veröffentlicht und gehört zu Storms bekanntesten Erzählungen, in welcher er mündliche Erzählungen, schleswig-holsteinische Sagen und schriftliche Überlieferungen ineinander fließen lässt. Das Buch wurde in etwa 30 Sprachen übersetzt, darunter auch ins Chinesische und Koreanische. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die von Storm frei erfundene Figur des Deichgrafen Hauke Haien, der sich bereits im Jungenalter mehr für Deich und Meer, Gezeiten und die Werke des griechischen Mathematikers Euklid interessiert, als für seine Altersgenossen. Vom Vater lernt der Junge, wie man Land vermisst und berechnet.
Hauke kommt beim Deichgrafen Tede Volkerts in die Lehre und trifft mit seinem Wissensdurst und seinen Kenntnissen nicht nur auf Freunde. Im Großknecht Ole Peters findet der Junge einen ernstzunehmenden Widersacher und sein Interesse für Elke, die Tochter des Deichgrafen, sorgt für zusätzlichen Unmut unter den beiden Männern.
Zwischen Elke und Hauke entspannt sich eine Romanze, in deren Verlauf die beiden schließlich heiraten und somit Haukes Weg, Deichgraf zu werden, ebnen. Hauke, dessen edler Schimmel den Dorfbewohnern unheimlich ist und oft gar mit dem Teufel verbunden wird, sorgt sich fortan um den Bau einer ganz neuen Art von Deich, bei dem er seine eigenen Pläne verwirklichen wird. Vor einem Teil des alten Deiches lässt er einen neuen errichten und schafft auf diese Weise Landflächen für die Bauern. Etwas „Lebigs“ muss in den Deich, meinen die Leute, und den abergläubisch beschworenen Mächten geopfert werden. Also wird ein Hund eingegraben, den Hauke vor dem sicheren Tod rettet. Für die Menschen ist klar: Von nun an lastet ein Fluch auf dem Deich.
Jahre später kündigt sich eine schwere Sturmflut an. Der alte Deich droht den Wassermassen nachzugeben und im Kampf um Land und Leben siegt schließlich die See und reißt Haukes Frau und Tochter in den Tod.

„Herr, Gott, nimm mich, verschon’ die anderen!“, schreit der Schimmelreiter gegen die tosende See an und stürzt sich mitsamt seinem Pferd in die Wassermassen, die das Land überfluten.

„Der illustrierte Schimmelreiter“ zur Novelle von Theodor Storm ist im Deich Verlag in Taschenbuchausgabe bereits in seiner zweiten Auflage erschienen. Das Abergläubische, das Gespenstische und Unheimliche der im Friesischen handelnden Erzählung interpretiert Jens Rusch in seinen wunderbaren Bildern auf ganz eigene Weise.
Der illustrierte Schimmelreiter“ soll Leser einladen, diese wunderbare Geschichte – vielleicht auch ein zweites Mal? – zur Hand zu nehmen und sich verzaubern zu lassen in einer Welt zwischen Aberglaube, See und mühsam verteidigtem Land, so ist es beim Deich Verlag zu lesen.

Mein Fazit: Die unglaublich ausdruckstarken, farbkräftigen und realistisch wirkenden Radierungen und Zeichnungen von Jens Rusch erwecken die Geschichte um Hauke Haien zum Leben. Wie unzählige Schüler vor und nach mir bin auch ich Storms Novelle zum ersten Mal im Schulunterricht begegnet und ich wünschte, sie wäre damals bereits von Jens Rusch illustriert gewesen.

Das Buch ist eine echte Freude für alle, die alte Geschichten mögen und die Gabe, so zeichnen zu können, zu schätzen wissen.

Der illustrierte Schimmelreiter

von Jens Rusch
nach der Novelle von Theodor Storm
ISBN 978-3-942074-02-5

19,80 €

zu beziehen über den Deich Verlag (www.deich-verlag.de)

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

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