Das Alter ist die Zukunft der Jugend – Leseempfehlung für das Buch „Respekt“


umschlag_buch_respekt„Man sollte mehr lachen als weinen im Leben“
Leseempfehlung zu „Respekt – Porträts von alten Menschen aus dem Jeverland“

„Sie sind ganz gewöhnliche Menschen, begegnen uns auf der Straße oder beim Einkaufen. Wir wissen nichts über sie, weil wir keine Gelegenheit hatten, etwas über sie zu erfahren. Dabei haben sie viel zu erzählen, die Frauen und Männer aus der Kriegsgeneration, die das Land in Schutt und Asche liegen sahen und dann die Ärmel aufgekrempelt haben, um es wieder aufzubauen.“ (aus dem Klappentext des Buches)

Über 50 Männer und Frauen aus und rund um die Stadt Jever, allesamt älter als 75 Jahre, wurden von den Autoren Brigitte Meiners, Cornelia Lüers, Helmut Burlager und Christoph Hinz, begleitet von Fotografin Sigrid Kasdorf, für das Buch „Respekt“ portraitiert.

Alte Menschen, wie beispielsweise der inzwischen 79-jährige Harm Kampen, der zwar nie einen Beruf erlernte, dessen Leben aber stets und bis heute von Arbeit und Fleiß geprägt ist (Titelbild).
Oder Annegret Hoffmann-Reese, 87 Jahre alt, die sich niemals hat unterkriegen lassen, weder durch den Krieg noch durch andere Unbilden des Lebens.
Weise und gütig lächelt Diederike Heidemann, geboren am 28. Januar 1921, in die Kamera. Dass der Mensch viel aushalten kann, meint die alte Dame. Und dass das Schicksal sie weder hart noch verbittert habe werden lassen, auch wenn sie sich von vielen geliebten Menschen verabschieden habe müssen, sie liebe das Leben. „Trotz allem“, sagt sie.
Oder Edith Hackert, Jahrgang 1936: „Was willste machen?“ Diese drei Worte umschreiben ein Leben, das mit einer Achterbahnfahrt zu vergleichen ist und ihr trotzdem (oder deshalb?) ihr Lachen nicht habe nehmen können.
„Jammern bringt doch nichts,“ meint die 87-jährige Elfriede Hagenstede, die bei Danzig geboren wurde und sich noch immer über viele Kleinigkeiten – ein Eis im Sommer, Sonnenschein auf ihrem Balkon – freuen kann.
Von den über 20 000 Teilen seiner Setzmaschine kannte der 86-jährige Heinz Hinrichs jede Schraube. Und auch heute noch liebt der alte Herr technische Spielereien.
So ließe sich die Reihe einfühlsam verfasster Portraits fortsetzen, die vom Leben „ganz gewöhnlicher“ Menschen erzählt, wie wir ihnen täglich begegnen.

Respekt. Achtung. Aufmerksamkeit. Vor den Lebensleistungen, dem Altern und dem Alter selbst zu wecken, Erinnerungen festzuhalten, das ist das Anliegen dieses nicht zuletzt durch seine wunderbaren Nahaufnahmen so bestechenden Buches. Vom Hilfsarbeiter über den Landtierarzt, die Kunsterzieherin, die in früheren Jahren auch Modell gestanden hatte, bis hin zur jungen Frau aus Ostpreußen, deren Lebensreise von Deutschland über Frankreich, die Vereinigten Staaten und schließlich ins Jeverland führte – so unterschiedlich die Lebenswege auch sein mögen, alle Porträtierten eint die während eines fürchterlich wütenden Weltkrieges verbrachte Kindheit und die Gabe, weder den Lebensmut noch die Freude daran jemals verloren zu haben. Und sie alle führen dem Leser eine Bescheidenheit vor Augen, die nachdenklich werden lässt.

„Man sollte mehr lachen, als weinen im Leben,“ so lautet das Fazit von Alma Werdermann, Jahrgang 1929.

Respekt – das ist ein beachtenswertes, ein ungewöhnliches und ein wunderbares Projekt, initiiert von der Fresenia Loge zu Jever e.V., das durch seine Texte und Bilder eine große Intensität erzielt. Meine Leseempfehlung für „Respekt“, insbesondere auch für jüngere und junge Leser.
Wir werden alle alt, wenn wir das Glück dazu haben. Und mit Glück gelingt uns das in einer solchen Würde, Bescheidenheit und so lebensbejahend, wie den im Buch vorgestellten Menschen der älteren Generation aus dem Jeverland.

Das Buchprojekt wurde unterstützt von der Tageszeitung „Jeversches Wochenblatt“, von der Fresenia-Loge zu Jever und von der Koordinierungsstelle „Älter werden“ des Landkreises Friesland.

„Respekt“ Porträts von alten Menschen aus dem Jeverland, 112 Seiten, 55 Fotos, Format 17×24 cm, Hardcover mit Fadenheftung, Preis 15,90 Euro. Gesamtherstellung Brune-Mettcker Druck und Verlags-GmbH, 2013, Hrsg.: Fresenia Loge zu Jever.
ISBN 978-3-87542-079-1.
Zu bestellen über Fresenia Loge zu Jever e.V., Ochsenhammsweg 7, 26441 Jever oder online hier –> Lesershop Jeversches Wochenblatt

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

4 Kommentare

  1. skyaboveoldblueplace

    ein wirklich schönes Projekt. Und wie wahr: „Wir werden alle alt, wenn wir das Glück dazu haben. Und mit Glück gelingt uns das in einer solchen Würde, Bescheidenheit und so lebensbejahend, wie den im Buch vorgestellten Menschen der älteren Generation aus dem Jeverland.“
    Danke fürs Vorstellen – arbeiten wir dran.
    Liebe Grüsse, Kai

    • Freut mich Kai. Bilder, Texte und Buch sind gut gemacht. Am meisten beeindruckt mich die selbstverständliche Bescheidenheit, mit welcher diese Generation aufs Leben zurückblickt. Und der unermüdliche Mut, mit dem so viele Schwierigkeiten und Sorgen gemeistert wurden. Ganz ohne wöchentliche Therapieeinheiten, Familienaufstellung und Sitzungen in Gruppen gleichgesinnter Problemfälle. was nicht heißen soll, dass es nicht gut ist, dass es ein solches Angebot gibt 🙂

  2. Pat

    Diese Werk verdient noch ein Mehr an Beachtung.
    Ich bin 64 und im März 2013 als Rentner deklariert.
    Und das ist gut so,denn leider will keiner Zuhören !
    Gern möchte ich das im Politik-talk-Global @yahoo.de hinein bringen.
    Wir sind nur ein paar Wenige,aber wir Diskutieren in Unserem Kreis über Alles.
    Gerne Versende ich Einladungen um sich in Unseren geschlossen Klub kostenfrei zu beteiligen.
    Bei Anmeldungenen werden Sie Kostenlos und ohne jegliche Verpflichtungen von Yahoo über alle Comments informiert,
    Viele Grüße ,Pat Hall

  3. Pingback: “Ein ungewöhnliches Projekt” | Friesenblog

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