Ein verwirrter Mensch – ein Messer – ein tödlicher Schuss


Vor dem Roten Rathaus in Berlin wurde ein unbekleideter und ganz offensichtlich verwirrter Mann von einem Polizisten mit einem Schuss in die Lunge getötet.
Der Mann hatte sich mit dem Messer selbst Verletzungen zugefügt und war – so geben das Augenzeugenberichte wieder – binnen eines zweiminütigen Gespräches nicht davon zu überzeugen, von seinem Tun abzulassen. 2 Minuten!
Dann fiel der Schuss. Aus nächster Nähe. Er war tödlich.

Ein Mann.
Nackt in einem Brunnen.
Er verletzt sich selbst.
Um mit einem Schuss in die Brust getötet zu werden.

Entkommt ein Tier, müht man sich darum, es außer Gefecht zu setzen und möglichst unverletzt in Gewahrsam zu bringen.

Die Debatte muss nicht lauten:
– Notwehr oder nicht?
– oder: Dürfen die Live-Video-Mittschnitte im Internet gezeigt werden?

Die Debatte muss lauten:
Wie kann man einen Menschen vor sich selbst und andere vor ihm schützen?
Wenn er – wie hier – NACKT und BLUTEND, sich selbst VERLETZEND – auf einem öffentlichen Platz in einer Großstadt zum Problem wird.

Vielleicht hat der überforderte Beamte nur vollendet, was ohnehin angedacht war?
Aber – die Bilder sprechen für sich. Und sie gleichen einer Hinrichtung in Ermangelung
von Alternativen.

Es tut mir sehr leid um einen gerade einmal 31-jährigen Menschen.
Und auch um den Beamten, der mit diesen Bildern nun leben muss.

Mehr ist nachzulesen hier z.B. bei rbb-online.de

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

10 Kommentare

  1. Erschreckend, der Vorfall hat mich auch sehr beschäftigt und ich würde gern wissen was vorher war das den Mann dazu trieb und warum Polizisten anscheinend psychologisch/Gesprächsführungstechnisch überhaupt nicht geschult sind. Das müßte doch zur Ausbildung gehören, sowas wie Konfliktmanagement, oder?

    • Genau das war mein Punkt. Die Meldung ging unter in der Masse des täglichen Wahnsinns. Kein Hahn kräht (mehr) nach diesem Menschen. Traurig. Und wahr. 😦

      • mmmh, irgendwas bleibt auf der Strecke? Oder veilleicht haben wir die kleine Meldung auch verpasst. Vielleicht kann man bei der Berliner Polizeibehörde nachfragen?
        Vielleicht war es ein Schizophreniepatient? Oder Wahn…

  2. skyaboveoldblueplace

    Hat dies auf skyaboveoldblueplace rebloggt.

  3. skyaboveoldblueplace

    oh man, das ändert sich wohl auch nie: der dt. Schäferhund bekommt bei uns 6 qm garantiert, ein nackter, verzweifelter Mensch ne Kugel. Es ist zum Verzweifeln Nicht dass ich was gegen den Hund hätte.
    Schade, wollte ursprünglich nur sagen, dass der Blog mir gefällt, dann hab ich das gelesen.
    Der Blog gefällt mir aber immer noch und danke für den Post.
    Liebe Grüsse, Kai

  4. Pingback: Der Tod des Manuel F. in Berlin | berlinmetropolis

  5. Genauso ist es!!!
    Ich habe vorhin schon in einem Blog gelesen, der das ganze abmildern wollte…erstellt am Freitag…der erste Post…hab da nix kommentiert, aber erschien mir schon ein wenig fraglich.
    Werde darüber auch noch was verfassen, aber Du sprichst mir da schon sehr aus der Seele!

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