„Dürfen Kinder im Berliner Stelenfeld toben?“ …


„Dürfen Kinder im Berliner Stelenfeld toben?“
… diese Frage stellt Journalist Hauke Goos sich, mir und den Lesern des Spiegel in Ausgabe 46 vom 11.11.2013.

Das Stelenfeld liegt mitten in Berlin, entworfen von Peter Eisenmann, eingeweiht am 10. Mai 2005 und seit 12. Mai desselben Jahres zugänglich für Besucher.
Das Stelenfeld ist ein Mahnmal für die unter der nationalsozialistischen Herrschaft ermordeten Juden Europas, betreut von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Es gibt unterschiedliche Deutungen, wie man die insgesamt 2711 zwischen 0,5 und 2 Grad sich neigenden Betonquader interpretieren kann. Ein unterirdisch gelegenes Museum ergänzt den Komplex. Die Stelen erinnern an Grabsteine, sie werden mit Kriegerdenkmälern und Soldatenfriedhöfen verglichen. Das Grau der Stelen erinnert an die Asche der verbrannten jüdischen Menschen.
Peter Eisenmann selbst sagt dazu: „Das Ausmaß und der Maßstab des Holocaust machen jeden Versuch, ihn mit traditionellen Mitteln zu repräsentieren, unweigerlich zu einem aussichtslosen Unterfangen. […] Unser Denkmal versucht, eine neue Idee der Erinnerung zu entwickeln.(Quelle: Stiftung Denkmal)

Mahnmale, Denkmäler, Friedhöfe – sie haben eines gemein: Jeder Mensch begegnet ihnen mit unterschiedlichen Empfindungen.

Hauke Goos, Jahrgang 66 und damit im selben Jahr geboren wie ich, berichtet nun also von einem Ausflug mit seiner Familie (die Kinder sind zwölf, zwölf, neun und fünf Jahre alt) in das Stelenfeld in Berlin. Den älteren Kindern, so schreibt er, habe er zuvor erzählt, worum es bei diesem Mahnmal gehe, wer die Nazis waren und was sie den jüdischen Menschen angetan hätten. Die Kinder hätten viele Fragen gehabt und Goos nimmt an, sie hätten vielleicht geglaubt, die Antworten irgendwo zwischen den Steinquadern verborgen finden zu können.
Irgendwann dann, nach anfänglicher Stille, hätten sich die Kinder schließlich selbst auf den Weg gemacht, eine gute Idee, wie er meint – das Stelenfeld lade ja zur Vereinzelung ein. Schließlich aber seien die Kinder zwischen den Stelen umher gerannt, sie hätten laut gerufen und gelacht und das Mahnmal „offenbar zu einem riesigen Spielplatz“ gemacht.
„Geht das überhaupt?“, fragen sich Hauke Goos und seine Frau. „Wie funktioniert Denkmal? Wird das Symbolische, das Abstrakte eines Denkmals automatisch mit der Bedeutung aufgeladen durch das, wofür es steht?“
Nach etlichen weiteren Zeilen des Versuches, die Bedeutung, Sinn und Zweck des Denkmals und insbesondere den Begriff „Aura“ zu erörtern, bzw. sich der Frage zu stellen, wie das etwa auf Angehörige der Opfer wirken möge, ob Angehörige diesen Ort überhaupt besuchen würden oder ob er etwa dafür geschaffen wurde, Nichtangehörige betroffen machen zu wollen, kommt Goos zu der Erkenntnis:
„An jenem Nachmittag ließen wir unsere Kinder spielen; wir fühlten uns unwohl dabei. Wer ein Mahnmal baut, das für Kinder aussieht, wie ein Spielplatz, muss damit leben, dass Kinder hier spielen. Hätte er das verhindern wollen, hätte er das Mahnmal anders angelegt.“

Ich hab diesen Artikel unter der Rubrik Gesellschaft und dem Titel „Aura“ – Homestory – Dürfen Kinder im Berliner Stelenfeld toben“ vor einigen Tagen gelesen.
Das Thema hat mich aufgrund meines eigenen Unverständnisses, weshalb man sich diese Frage überhaupt erst stellen mag, beschäftigt.
Mein Fazit bzw. meine persönliche Antwort auf diese Frage stand bereits nach Lesen derselben fest: Nein Herr Goos, das dürfen Kinder nicht!

Mit „Holocaust“ wird der Völkermord an 5,6 bis 6,3 Millionen Menschen bezeichnet. Ein Mahnmal ist eine spezielle Form des Denkmals und soll durch seine öffentliche Präsenz an ein historisches Ereignis erinnern. Mahnmale dienen dazu, Betroffenheit zu erwecken und das Erinnern über Generationen hinweg zu tradieren, soweit die Definition des Begriffes.

Ein Mahnmal ist kein Spielplatz für Kinder. Auch nicht dann, wenn es nach der persönlichen Auffassung von Eltern als solcher von den eigenen Sprösslingen wahrgenommen werden könnte. Dass Kinder die Tragweite dessen nicht erfassen können, steht außer Frage. Dass Kinder ihrem Instinkt und ihren Gefühlen folgen und sich demzufolge auch wie Kinder verhalten, steht ebenfalls außer Frage.
Dass aber Eltern – und zwar insbesondere die meines eigenen Jahrgangs und jünger – sich überhaupt solche oder ähnliche Fragen stellen, ist für mich Anlass auf den Begriff „Pietät“ zu verweisen – Respekt und Ehrfurcht den Toten gegenüber, auch übersetzt mit Pflichtgefühl. Nämlich eben auch jener Pflicht, den eigenen Kindern Grenzen aufzuzeigen.

Auch eine Eisenbahnstrecke, ein Steinbruch oder die Masten von Hochspannungsleitungen mögen auf Kinder wirken, wie potentielle Spielplätze. Es ist Ihre Aufgabe, als Eltern dafür zu sorgen, dass Ihren Kindern klar wird, worin der eigentliche Sinn dieser möglichen Spielplätze liegt. Und nicht Aufgabe derer, die diese Anlagen betreiben.

Und ich – als Nichtangehörige – würde mich gestört fühlen, wenn Ihre Kinder lachend und tobend zwischen den Stelen spielten. Ich bin hier, weil ich betroffen bin. Und weil für mich unfassbar ist, was Menschen Menschen angetan haben und antun. Und nicht, weil ich Kinderlachen hören möchte.
Kinderlachen ist – wie Sie richtig schreiben – „auch ein Beweis dafür, dass die Nazis mit ihrem Hass auf die Juden, mit ihrem Hass auf das Leben gescheitert sind.“
Das Lachen selbst ist, wie es Wilhelm Busch sagt , „ein Ausdruck relativer Behaglichkeit.“ Ein Ort von Behaglichkeit aber ist das Stelenfeld ganz sicher nicht, ebenso wenig wie alle anderen Orte, an denen der Menschen gedacht wird, die Opfer von Verbrechen, Krieg und Mord wurden.

Die Antworten auf die Fragen Ihrer Kinder liegen nicht zwischen den Steinquadern.
Es liegt in und an Ihnen, sie zu beantworten in einem Sinne, der Ihren sicherlich klugen Kindern das Lachen an diesem Ort von selbst verbietet. Aus einem ureigenen Gefühl der Betroffenheit, zu dem ganz besonders Kinder in der Lage sind.

Das ist meine Antwort auf Ihre Frage.

Nachtrag:
Die Stiftung betreibt eine eigenes für Kinder und Jugendliche eingerichtete Internetseite „Du bist anders“ und sie organisiert auch Führungen für Schulen.

Advertisements

Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

11 Kommentare

    • Das Thema wird ja aktuell diskutiert, siehe auch Projekt „Yolocoust“. Die Meinungen gehen auseinander, das ist sicher auch gut so, denn auf di Weise bleibt diese historische Ungeheuerlichkeit beachtet und präsent. Allerdings ist für mich persönlich tatsächlich die Auffassung des Architekten zweitrangig. Interessanter wäre definitiv, wie das die Stiftung sieht und was die Menschen denken, die im Mahnmal eine Gedenkstätte für ihre während des Dritten Reiches ermordeten Familienangehörigen sehen. Vielen Dank für Ihren Kommentar und fürs Verlinken des Artikels.

  1. Ich habe viele Jahre lang Stadtführungen gemacht, vor allem mit Schulklassen aller Altersstufen.
    Anfangs habe ich sie beim Holocaust-Mahnmal zunächst 10 Minuten auf Erkundungsjagd durch das Feld geschickt, immer mit der Bitte, sich an die Regeln zu halten, die ja überall deutlich sichtbar rund um das Mahnmal angebracht sind: Nicht rennen, erschrecken, auf Stelen klettern oder gar von Stele zu Stele springen.
    Relativ vergebens, spätestens nach 5min hörte man es Kreischen und Quietschen.

    Die ausgehängten Regeln mussten immer weiter ergänzt werden, auf einmal lagen tagsüber Sonnenanbeter nur halb bekleidet auf den Stelen zum sonnen, und besonders die Touristen, die zum Junggesellenabschied in Berlin waren, haben immer wieder den Vogel abgeschossen.
    Wie sollen Kinder und Jugendliche benehmen, wenn die Erwachsenen es ihnen nicht vorleben? Dass all das trotz des stets anwesenden Wachschutzes passieren konnte, bleibt mir ein Rätsel. Mein persönlicher Höhepunkt geschah während der WM 2006, ich hatte zu der Zeit viele ausländische Gäste und nun eine Gruppe junger Engländer, die sich zwischen den Spielen eben Berlin ansehen wollten. Dachte ich. Berlin ansehen schien vielmehr „sich durch Berlin zu saufen“ zu bedeuten. Einer meiner Gäste, zu Beginn der Tour noch nüchtern, war am Stelenfeld angekommen lattenstramm, anders kann man es nicht sagen. Und in dem Zustand kletterte er auf eine Stele, um von dort im hohen Bogen auf andere Stelen zu pinkeln. Ich habe mich selten im Leben so dermaßen geschämt.

    Unter anderem auch aufgrund dieser Erfahrungen habe ich, was meine Führungen mit den Schulklassen betraf, irgendwann umgeschwenkt, sie zunächst ins Museum unten geführt und erst danach ins Stelenfeld. Und was ich dabei festgestellt habe, war, dass nicht ein einziger, selbst nicht der pubertierendste Teenie, sich bei dieser Reihenfolge im Stelenfeld daneben benommen hat. Sie liefen vielmehr staunend durch die Reihen, ein Schüler meinte mal, dieses Auf und Ab im Boden, sodass die Stelen mal mannhoch sind, mal bei weitem überragen, hätte ihm eine höllische Angst gemacht, weil ihm erst dadurch klargeworden ist, wie sich das wohl anfühlen könnte, ausgegrenzt, verfolgt und im Stich gelassen zu sein und dass das Leben ein Auf und Ab wäre und man wohl nie wüsste, wie es an der nächsten Ecke kommt.
    Das fand ich großartig und, so denke ich, genau im Sinne des Architekten.

    Kinder sind Kinder, sie sollen lachen und toben und quietschen – aber nicht an jedem Ort. Wenn man ihnen zeigt, um was es geht, dann entscheiden sie ganz schnell und von sich aus, an einem anderen Ort zu toben und hier lieber ganz aufmerksam zu beobachten. Der Besuch der Museums-Ausstellung hat in dieser Hinsicht noch nicht ein einziges Mal versagt und ich kann es jedem, der mit (größeren) Kindern dort unterwegs ist, nur ans Herz legen, erst in die Ausstellung zu gehen und dann ins Stelenfeld.
    Die jüngste Klasse, mit der ich da war, war eine 3. Klasse und die Kinder waren unheimlich aufmerksam und wissbegierig, sie haben in den Räumen, in denen die Passbilder der späteren Opfer an die Wand gestrahlt werden, stundenlang gesessen und waren fasziniert und wir haben danach ganz tolle Gespräche geführt, die ich so bei Kindern in dem Alter nicht für möglich gehalten hätte und die ich mir vielmehr auch mal bei älteren Herrschaften wünschen würde.
    Denn ganz ehrlich, wenn Kinder durch die Stelen toben, dann ist mir das trotz allem immer noch lieber als grummelnde Mecker-Touris gehobenen Alters, die immer nur „Was soll das? Was für ein Schwachsinn, was für eine Geldverschwendung“ von sich geben, ohne auch nur mal versucht zu haben, den Sinn zu begreifen.
    Kinder begreifen unglaublich schnell die Symbolik des Stelenfelds und da haben sie den meisten Erwachsenen wirklich was voraus.

    • Auf die Idee bin ich erst gar nicht gekommen: Mit den Kindern zuerst ins Museum zu gehen ist brillant.
      Wie du das mit den Engländern schreibst, fiel mir ein Besuch des Oktoberfestes ein, bei dem mein Ex-Partner seine ehemaligen Kommilitonen aus England eingeladen hatte. Während der nächtlichen Fahrt in der S-Bahn von München nach Wolfsratshaussen sangen die das Horst-Wessel-Lied und andere musikalische Nazi-Propaganda. Mir gegenüber saß ein altes Ehepaar, das diese Idioten eindeutig mir zuordnen konnte. Glaube ich jedenfalls. Man muss mir die Pein angesehen haben. Davor und bisher auch danach nie wieder so geschämt hab ich mich. Es muss eine Leidenschaft einzelner Individuen der Insel sein, sich derart daneben zu benehmen. Mit britischem Humor ist das weder zu erklären noch zu entschuldigen.
      Freu mich, dass du hier und „auf dem Land“ mit liest. Herzliche Grüße, Heike

  2. Kirsten Sch.

    Ich verstehe nicht so ganz, warum man mit einem fünfjährigen Kind einen solchen Ort besucht. Das ist viel zu früh. Selbst beim einem neunjährigen Kind würde ich damit noch warten. Ergo: Babysitter besorgen und nur mit den älteren Kindern hingehen- oder einer geht mit den Zwillingen zum Mahnmal, einer passt auf die anderen auf es lassen. Erziehung bedeutet schon auch, Kindern altersgemäße Angebote zu machen. Und das ist die Aufgabe der Eltern, nicht der Stiftung, die das Mahnmal pflegt.

  3. Beim Lesen des Artikels habe ich mich erst gefragt, warum schreibt der Autor diesen Artikel im „Spiegel“? Es geht um ein Verhalten, das in unserer Kultur bisher selbstverständlich ist, dass auf Friedhöfen, ähnlichen Orten und Anlässen erwartet wird, dass auch Kinder sich dort respektvoll verhalten. Dann dachte ich an den Film von Roberto Benigni „Das Leben ist schön“, der z. T. im KZ spielt, wo ein Vater seinem Sohn den Aufenthalt im KZ als ein Spiel erklärt. Es ist schon Aufgabe der Eltern, Kindern die Welt zu erklären und ihnen Vorbild zu sein, eine Frage des Respekts. Kinder lernen vom Verhalten der Eltern, sofern diese ihren Respekt haben. Mir scheint der Autor und die o.g. Telefonfreundin haben in den Augen der Kinder keinen Respekt nötig. Die Frage danach, ob die Anlage oder das Mahnmal nicht funktionieren, schiebt die Verantwortung weg von den Eltern auf ein Werk, dessen Bedeutung erst durch den Umgang mit ihm von den Besuchern gegeben wird. Es scheint ja so einfach – der Künstler ist schuld, das Werk „funktioniert“ nicht. Bedeutung ist aber etwas, was wir den Dingen geben, die Dinge selbst sind bedeutungslos. Wenn Kinder diese Bedeutung von ihren Elten nicht übernehmen, mangelt es wohl am Respekt der Kinder vor seinen Eltern. Das ist ein Thema was sicher nicht als Artikel in den „Spiegel“ gehört.

    LG Reinhard

  4. Ich finde die Frage gar nicht so einfach zu beantworten.
    Als leidgeprüfter Angehöriger von Kindern hatte ich manchmal alle Hände voll zu tun, auf Ruhe zu achten, was nicht immer mit volllem Erfolg gelang. Aber was hat mich dazu angetrieben, den Kindern Ruhe zu verordnen? Der Respekt vor einer Kirche oder einem Mahnmal, welches ein 5-Jähriger in seinen Dimensionen nicht verstehen kann? Oder meine Erziehung, die mir sagt, nein, das darf nicht sein? Oder die Leute, die auf betroffen machen und auf mich als versagenden Vater mit dem Finger zeigen und nach dem Betroffensein wieder in ihren fremdbestimmten Lebenalltag eintauchen? Sicher, ich übertreibe maßlos. Manche Kirchen sind dermaßen respekteinflößend, dass die Ruhe von alleine kommt, ohne Worte. Wenn ein Mahnmal das nicht schafft, hat es dann versagt? Oder macht zu viel Respekt Angst und hat es dann versagt? Haben die Planer versagt? Was sagen die dazu? Soll nicht jede Generation sein Umfeld so erleben und erfahren wie es eben möglich ist? Wer definiert was richtiges Verhalten ist? Etwa die Generation, die Kriege anzettelt (also die 20-60-Jährigen)?
    Sicher, Grenzen muss man setzen, aber wo? Sollte man den Kindern nicht ein paar Mahnmale lang Zeit lassen?
    Ich kann die Frage schlussendlich nicht sicher beantworten.
    Aber gerade in Deutschland halte ich es eher für eine gesellschaftliche Frage, da die Kinder und die Alten nur auf dem Papier einen Wert haben. Ansonsten stören sie, zu laut, zu dement, zu teuer, keine Leistung, für manche Familien ein Armutsrisiko.

    • Ich möchte nicht missverstanden werden. Dass Kinder sich verhalten sollen und dürfen wie Kinder ist nicht mein Punkt. Mein Punkt ist der, sich anderen gegenüber mit einem gewissen Respekt zu verhalten. Vielmehr mit einer Achtung gerade auch vor den Dingen, die ich nicht einschätzen kann. Ich kann nicht wissen, mit welchen Gefühlen andere Menschen einen Ort wie das Stelenfeld betreten. Anzunehmen ist, dass sie das tun, weil das Thema sie befasst. Und der Ort – beispielgebend – steht für die Erinnerung an über sechs Millionen getötete Menschen.
      Also halte ich es für die Pflicht von Eltern, ihren Kindern klarzumachen, dass dieser Ort kein Spielplatz ist. Ob die Kinder nun alt und verständig genug sind, die Sache an sich zu begreifen oder ob es für sie genügen muss zu wissen, dass man hier nicht spielt, bleibt doch den Eltern überlassen.
      Schwierig wird es in diesem Beispiel natürlich auch, wenn ich als Elternteil selbst nicht weiß, wie ich dieses Mahnmal nun empfinde. Aber das interessiert mich – als dritte und außenstehende Person – auch nicht. Ich möchte lediglich respektiert werden.
      Und ich finde, dass das als Antwort auf die Eingangsfrage auch genügt.

      Davon abgesehen würde ich persönlich auch nicht mit meinem fünfjährigen Kind einen solchen Ort besuchen. Und zwar nicht deshalb, weil ich etwa andere stören könnte. Sondern weil ich weiß, dass mein Kind diese Szenerie nicht verstehen kann und ich also davon ausgehen muss, mein Kind permanent bändigen zu wollen. Ich kann mich einer solchen Thematik nicht widmen, wenn ich gleichzeitig meinem Nachwuchs gerecht werden möchte.

      Mich hat dieses Thema übrigens nicht alleine des Stelenfeldes wegen beschäftigt. Mir fällt generell auf, dass Eltern meiner Generation Schwierigkeiten damit haben – vorsichtig formuliert – ihren Kinder Grenzen zu verdeutlichen. Wenn ich mich am Telefon mit einer Freundin unterhalten will und zum fünften Mal innerhalb von fünf Minuten quakt der Sprössling Nichtigkeiten dazwischen um Aufmerksamkeit zu erlangen, dann vermisse ich, dass da am anderen jemand sagt: Ich telefoniere jetzt und du störst mich nicht mehr, bis ich aufgelegt habe. Und mir fehlt der Respekt meines Gegenüber vor mir und meiner Zeit, und nicht der des Kindes. Dass das Kind wenig bis keinen vor den eigenen Eltern zeigt, ist deren Sache. Kinder werden erwachsene Menschen, spätestens dann wird klar, dass es Regeln und Grenzen gibt. In vielen Fällen dürfte das dann recht unerwartet geschehen. 🙂

      • Nun ja, vielleicht waren meine Worte etwas drastisch. Und richtig, unsere Generation (ich bin nicht so weit weg von dir) hat manches anders (und nicht zwingend besser) gemacht als unsere elterliche Generation. Es ist aber auch nicht mehr vergleichbar, und das ist auch richtig so.
        Am Ende, und das ist vielleicht meine sehr persönliche Erkenntnis, kann ICH das alles nicht mehr so sehr digital sehen (im Sinne von gut und böse, schwarz und weiß, ja und nein), sondern die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Eine Städtetour mit Kindern, um ihnen vielleicht etwas Kultur(geschichte) auf lebendige Weise nahezubringen, mach ich sicher nicht mit 5-jährigen. Dennoch, gerade bei Geschwisterkindern, sind nun mal auch jüngere dabei. Und meine wenigen Reiseerfahrungen mit Kindern sind dahingehend geprägt, dass dies ein eher deutsches Problem ist. Im Ausland wird man dann schon mal freundlich von Fremden angesprochen, die eigentlich gestört sein müssten, was die Situation ungemein beruhigen kann. Aber vielleicht ist das auch nur das was ich sehen will, da es mir besser gefällt.
        Nichts für ungut, ich widme mich wieder meinem Fotoblog, mit dem Schreiben hab ichs eigentlich nicht so. 😉

  5. ja, das beispiel mit dem Friedhof kam mir auch grade in den sinn. oder in einer kirche. da macht es doch auch spaß zwischen den bänken verstecken zu spielen und sich zu jagen. damit ist das argument kein argument. und es liegt an den eltern, den kindern abzuverlangen, sich einfach mal eine stunde ruhig und gemessen zu verhalten. ob sie es verstehen oder nicht. das verstehen darf und kann dann später kommen.

  6. Dem kann ich nur zustimmen. Demnächst quitschen dann die Kleinen auch auf dem Friedhof herum. Und mein Problem wäre nicht das Spielen, Lachen und Toben der Kinder, sondern dass damit der Ort für die Trauernden, die Traurigen, die Nachdenklichen, die Weinenden unattraktiv wird. Wo ist überhaupt das Problem, dass es Orte gibt, die einem ein wenig Ruhe abverlangen? Orte, an denen es mal nicht um den eigenen Spaß- und Wohlfühlfaktor geht?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: