Wenn die Zukunft am Schreibtisch einer Behörde endet – Martin Qassemi braucht unsere Hilfe #ZukunftfürMartin


iPDLpNyJOlLwvnR-800x450-noPadMartin Qassemi ist jung, er lebt in Oldenburg, er hat eine Familie, die ihn liebt und für ihn da ist, er ist lernbegierig, ehrgeizig im positiven Sinn und er wünscht sich seine Zukunft in Deutschland. So weit – so gut.
Das möchte man jedenfalls meinen, mindestens dann, wenn man seine Geschichte liest (Mein Sohn aus Afghanistan, The UN Refugee Agency).
Es ist die Geschichte eines Jungen, der im Alter von 13 Jahren seine Familie verlor und auf einer abenteuerlichen Flucht durch halb Europa nichts retten konnte, als sein Leben und ein Stück Papier.
Und genau an diesem Stückchen Papier droht nun seine vermutlich gute und mit all dem erlebten Schrecken ein wenig versöhnende Zukunft zu scheitern.
Denn dort ist kein von offizieller Stelle beglaubigter Nachname verzeichnet und genau den muss Martin haben, wenn er hier ganz offiziell als Bürger Deutschlands anerkannt werden will.

Martins neues Leben begann mit der Flucht aus Afghanistan, einem Land, in das die meisten von uns wohl auch für Geld nicht einen Fuß setzen würden. Und nun droht seine Zukunft zu scheitern an der Schreibtischen deutscher Behörden.
Was fehlt, ist ein Pass. Und den gibt es nur, wenn er eine afghanische Abstammungsurkunde vorlegen kann.

Auf der Facebookseite von Martins Mutter, Ruth Bensmail, also der Frau, die ihn nach seiner Abschiebehaft in einem deutschen Gefängnis in ihre Familie aufnahm und ihn seither als Sohn und Mitglied ihrer Familie liebt und achtet, ist nachzulesen, welchen Weg man bereits hinter sich hat. Und auch, dass deutsche Behörden dem jungen Mann nun raten, doch selbst vor Ort in Afghanistan zu recherchieren bzw. sich einen Anwalt vor Ort in seinem Heimatland zu nehmen, der ihn unterstützt.

Und im Raum steht groß und deutlich die eine Frage nach dem Ermessensspielraum deutscher Behörden. Die Frage danach, inwiefern erlittenes Leid, Schmerzen, Unrecht und Todesängste in der administrativen Beurteilung des Schicksals eines Menschen eine Rolle spielen dürfen. Eine Rolle spielen können. Eine Rolle spielen müssen!

Nun wendet sich die Familie, angeführt von Mutter Ruth Bensmail, in einer Petition an die Landesregierung Niedersachsen, an das Ausländeramt Oldenburg, an Herrn Ministerpräsidenten Weil und an Herrn Minister Pistorius.

Martin macht derzeit sein Abitur, er möchte vielleicht im Ausland studieren. Und vielleicht möchte er auch in den Polizeidienst eintreten.
Aber eines ist sicher: Martin Qassemi möchte eines am liebsten, sein Leben selbst in die Hand nehmen dürfen und daraus machen, was seine Möglichkeiten und sein Fleiß ihm ermöglichen.

Bitte helft mit.
Vielleicht habt ihr Ideen, was man darüber hinaus unternehmen könnte?
Oder ihr unterschreibt die Petition, es sind bereits über 50.000 Stimmen zusammengekommen.

Martin Qassemi führt auch ein eigenes Blog, auf dem seine Lebensgeschichte nachzulesen ist.

Ein Mensch ist so viel mehr, als sein Name auf einem Blatt Papier.
Es kann nicht sein, dass ein Mensch ohne Namen auf einem Blatt Papier nichts ist.

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

5 Kommentare

  1. Cristine Bendix

    Liebe Heike, habe es natürlich sofort unterschrieben. Eine ganz ähnliche Geschichte gab es auch einmal in meinem Leben. Gu Tang, ein chinesischer Flüchtling, den es in meinen Unterricht geschwärmt hatte, sollte gefühlte hundert Mal abgeschoben werden. Wir haben mit allen Mitteln gearbeitet. Ich wollte ihn schon adoptieren. Letztendlich und mit Hilfe der einer Grünen Bürgermeisterin hat er dann immer wieder eine Verlängerung bekommen. Ich habe unzählige Telefonate getätigt und Briefe verfasst. Aber wir haben es geschafft. Gu Tang ist nun seit 10 Jahren in Deutschland und hat im letzten November eine Pass-Party gefeiert, wozu er alle Helfer eingeladen hat. Er ist ein glücklicher junger Mann, der unendlich fleißig seinen Bausparantrag bespart ( das fand er so schön Deutsch! ) und der mir fast wie ein Sohn ist. Keine Woche, wo er nicht zweimal bei mir anruft und sich erkundigt, ob es mir auch gut geht…. Für solche Menschen müssen wir kämpfen…..

    • Liebe Cristine, ich komme erst jetzt dazu, deinen Kommentar in Ruhe zu lesen. Dass etwas so Selbstverständliches wie ein Pass ein Leben maßgeblich beeinflussen kann, vor allem dann wenn er nicht vorhanden ist, ist schon unglaublich. So könnte man für die Außerirdischen auch das Erbe der Menschheit zusammenfassen, falls es sie gäbe und falls sie sich für uns interessierten: 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte führen zu dem Ergebnis, dass wir ohne die richtigen Papiere keinen Wert haben, nichts sind und auch nichts werden dürfen. Gu Tang hat riesiges Glück gehabt, dir zu begegnen. Martin hat auch Glück und hoffentlich noch mehr durch diese Aktion. Und die zahl der Menschen, die sich – wie du – nicht nur für sich interessieren sondern auch für andere Menschen, die ist mir eindeutig zu klein. Dabei hilft ja manchmal – so wie hier – auch schon nur ein bisschen Zeit und eine Unterschrift, aber selbst das scheint zu viel. Danke dir sehr und liebe Grüße an Gu Tang 🙂

  2. Liebe Heike,
    da fehlen einem mal wieder die Worte ob dieser korinthenkackerhaften, unempathischen, lemminghaften verbeamteten Mitläuferscheisse in D’land. Danke fürs posten. Ich hab die gleich unterschrieben und Deinen Post getwittert (auf FB Minicomputer nicht mehr) – und ich werd jeden drauf aufmerksam machen, der es nicht hören will.
    Liebe Grüße
    Kai

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