Politik im Paternosterwahn oder mein Vorschlag für den Führerschein #politik #paternoster #peinlich


Die Politik im Paternosterwahn

 

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Paternoster (Aufzug) im Bundesministerium der Finanzen (Detlev-Rohwedder-Haus; früher Reichsluftfahrtministerium bzw. Haus der Ministerien der DDR), Wilhelmstraße 97/Leipziger Straße, Berlin. Foto: Andreas Praefcke

Sie haben es vielleicht auch gelesen? Im Bundestag sorgt man sich derzeit um die Sicherheit von Fahrgästen, die Paternosteraufzüge benutzen. Von diesen Aufzügen gibt es nicht mehr allzu viele und die Existenz dieser wenigen ist seit Jahren in Gefahr. Ganz anders als die der Fahrgäste, oder können Sie sich an Nachrichten erinnern, in denen der reihenweise Tod von Paternosterfahrgästen zu beklagen war? Sie tauchen jedenfalls in keiner Statistik auf und so fragt man sich, wie ein solches Thema von eindeutig geringem Allgemeininteresse es immer und immer wieder auf die Agenda der Politik und damit in die Schlagzeilen schafft.

Der Paternoster heißt übrigens Paternoster, weil er in mehreren an Ketten befestigten Einzelkabinen im ständigen Umlaufbetrieb Personen in einer Beförderungsgeschwindigkeit von ca. 0,20 bis 0,45 Meter pro Sekunde befördert.
Seine Namensgeber erinnerte dieses Prinzip an den Rosenkranz, eine Zählkette für Gebete, bei der auf 10 kleinen Perlen jeweils ein „Ave Maria“ und der darauffolgenden großen Perle das „Vaterunser“ gesprochen wird.

Nun legt das überschaubare Tempo des Paternoster (1.080 Meter wären es in der Stunde) ja den Verdacht nahe, dass auch die politische Kaste hier ohne Weiteres den Anschluss finden, sprich zum richtigen Augenblick den richtigen Fuß in die Kabine setzen können müssen könnte. Und dennoch wird seit 1972 in der so genannten „Aufzugsverordnung“ immer wieder modifiziert, gestrichen und angepasst. Demnach sollten bis 2004 die rund 500 sich noch in Betrieb befindlichen Paternoster ihrer Aufgaben entbunden und in den Ruhestand geschickt werden. Dass sie weiterfahren und nun für Aufregung in der politischen Debatte sorgen dürfen, darum kümmerte man sich 2004 sogar im Bundesrat.

Nun geht es diesmal ja nicht gleich um das Ende der nostalgischen Aufzüge, Frau Nahles von der SPD müht sich lediglich nach Kräften darum, dass deren Benutzung nur noch durch „eingewiesene Fahrgäste“ möglich sein soll. Oder anders formuliert: Es ist eine Art Führerschein für Paternosteraufzüge im Gespräch.
Details, wie genau diese Einweisung stattfinden soll, waren bis dato nicht zu ermitteln. Aber zumindest die Phantasie dürfte beflügelt sein bei der Vorstellung, wie dieser auserwählte Personenkreis nun in kleinen Schritten an das korrekte Be- und Entsteigen der Beförderungskörbe herangeführt werden könnte, allen voran unsere Abgeordneten.
Denkbar wäre eine Art „Trockentraining“, bei welchem die Damen und Herren das unfallfreie Be- und Entsteigen der Kabinen erst im Stillstand selbiger üben. Gelingt dieses, dann werden in einem zweiten Schritt die Körbe in Bewegung gesetzt. Um ihr Gespür für den richtigen Moment zu trainieren und die Politiker/Innen zu sensibilisieren, sollen zunächst nur Gegenstände in den verlangsamt laufenden Paternostern platziert werden. Denkbar wären hierbei Aktenordner, Stullendosen- und -Pakete, Handtaschen und Aktenkoffer. Zeigen sich die Probanden talentiert in der richtigen Einschätzung von Zeit und Raum, so dürfen in einem dritten und vorerst letzten Schritt die ersten richtigen Fahrstuhl-Besteigungen vorgenommen werden und zwar in einem eigens zu diesem Zwecke gebauten Paternoster-Simulator.
Aber auch hier geht Sicherheit vor. Mit Helmen, Protektoren und gepolsterter Sicherheitskleidung ausgestattet, darf anfangs nur in Begleitung eines Ausbilders und einzeln in die stehenden Simulator-Kabinen gestiegen werden. Zu absolvieren sind 10 solcher Einheiten, sind diese erfolgreich bewerkstelligt, folgen 10 weitere Einheiten bei laufendem Betrieb. Hierzu wird für die sich in Ausbildung befindlichen Abgeordneten Bewegung simuliert, sodass der Eindruck entsteht, Mensch und Maschine bewegten sich aufeinander zu. Im Anschluss an diese „Trockenübungen“ ist ein theoretischer Teil vorgesehen, der mit einer Prüfung abschließt. Unklar bleibt bis dato, ob in diesem theoretischen Prüfungsabschnitt tatsächlich auch das „Vaterunser“ fehlerfrei rezitiert werden muss oder ob es auch genügt, wenn die Probanden die 12. ProdSV, also die Zwölfte Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz, also das Inverkehrbringen von neuen Aufzügen im vorgegeben Versmaß wiedergeben können.

Übrigens: Die Vorstellung, wonach sich die Kabinen am oberen Ende der Anlage umdrehen und kopfüber wieder herunterfahren und es deshalb gefährlich ist, versehentlich über das oberste Stockwerk hinauszufahren, ist nichts weiter als eine nette Legende.

Ob Frau Nahles das auch weiß?

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

5 Kommentare

  1. Ja, liebe Heike, ich hab das auch irgendwo gelesen. Man überlegt ja dann unwillkürlich, ob diese Kaste gut versorgter Politiker, die sicher auch im Falle eines eher unwahrscheinlichen Paternosterunfalles gut versichert sein werden, heutzutage sonst nix zu tun haben. Aber dann bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sich Menschen aus der maaslosen alten Umfallerpartei SPD am besten nur noch und ganz intensiv mit solchen Dingen beschäftigen sollten. Dann kommt es wenigstens bloß zu solchen marginalen Absurditäten. Oder, wie man früher schon mal sagte: dann sind sie wenigstens von der Straße und können keinen noch größeren Unfug anstellen…
    Liebe Grüße aus Sarkastikan
    Kai

  2. Ich bin in meinem Leben zweimal von einer Treppe (also diesem unbeweglichen Ding, das beim Aufwärtsweg so anstrengen kann) gefallen. Einmal als Kind (Folge: Schreck, Schmerz, blaue Flecke, Trösten durch Mutter), einmal als Erwachsene (Folge: Knochenbruch, Krankenhausaufenthalt, Heilung).
    Meiner Erfahrung nach sind also statische Treppen erheblich unsicherer als Rolltreppen und Paternosteraufzüge. Es ist daher unbedingt notwendig, bereits im Grundschulalter das sichere Treppensteigen zum Schulfach zu machen (oder evtl. zum verpflichtenden Teil des Sportunterrichts).

  3. Ich liebte Paternoster fahren. Eigentlich liebe ich es immer noch, aber der einzige Paternoster, den ich in der Region hier noch kannte, war in einem Firmengebäude und diese Firma gibt es seit einigen Jahren nicht mehr gibt 😦 ABER, Leute die permanent auf ihr Handy schauen oder behindert sind, sollen und können natürlich den Paternoster NICHT benutzen.

  4. Auch unbedingt zu üben und jährlich zu wiederholen: das richtige, gefahrlose und – wenn möglich – elegante Einsteigen in Rolltreppen und deren korrekte Benutzung.
    Unbedingt durch ein Gesetz zu reglementieren.

  5. Cristine Bendix

    Ach wie toll, ich hatte die Freue mehrere Jahre bei der Arbeit in einem solchen zu fahren – so er denn funktionierte. Also ehrlich gesagt, so ganz locker bin ich nie eingestiegen und wieder heraus auch nicht. Und für einen alten Menschen halte ich die Dinger für wirklich gefährlich. Aber es war eine schöne Sache, halt so ein wenig wie auf dem Flohmarkt ein altes Schätzchen einkaufen….
    Dass sich die Politik solcher unglaublich wichtigen Themen annimmt, passt doch aber ins Bild, oder? Wer möchte schon immer über solche aufregenden Themen wie NSA, Flüchtlinge, IS-Truppen, den Zerfall der Welt und den drohenden Garaus für die gesamte Flora und Faune diskutieren? Nee, das hat ja nun noch was Zeit, oder???

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