Niemand ist eine Insel – wer Zäune zieht, grenzt sich aus


„Niemand ist eine Insel“

… das ist eine sprichwörtliche Wendung aus dem Werk des englischen Dichters John Donne.

Niemand ist eine Insel – genau das denke ich zurzeit sehr oft. Sie sind es nicht, ich bin es nicht und Deutschland, Deutschland ist es auch nicht. Wir alle und auch das Land, in dem wir leben, sind eingebunden in einem und abhängig von einem oftmals komplizierten Geflecht an Beziehungen.

Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gespült wird, wird Europa weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge wäre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn ich bin Teil der Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; sie schlägt dir selbst“, schrieb John Donne und gelangte offensichtlich schon vor mehr als 500 Jahren zu dieser klugen und empathischen Erkenntnis. Und die ist populärer, denn je.

Die Euro- und Bankenkrise, hohe Arbeitslosenzahlen in Ländern wie Spanien und Portugal, das Desaster in Griechenland, Korruption und mafiöse Strukturen in Italien, der Rechtsruck in Ländern wie Österreich, Dänemark, Frankreich und den Niederlanden, Krisen auf dem Balkan, in Russland und der Ukraine und ganz zuletzt der Nahe Osten – uns Deutschen geht es gut, so als lebten wir auf einer Insel mitten im tosenden Ozean.
So gut, dass Tausende, die aus ihrer Heimat vor Krieg, Folter und Tod fliehen, bei uns Zuflucht suchen. So gut, dass bei uns Tausende unbehelligt auf die Straßen gehen können, um gegen Freihandelsabkommen zu protestieren, während fast zur selben Zeit in der Türkei Menschen für den Frieden in einem Blutbad sterben. Es geht uns so gut, dass wir uns am Ende wehren wollen gegen diesen Ruf, wonach es uns so gut geht, dass wir helfen könn(t)en. Und helfen müss(t)en.

Niemand ist eine Insel. Und doch – es fühlt sich genau so an: Als würden wir in einem der wenigen wenn nicht im einzigen Land auf dieser Erde leben, in dem sich ein Mensch vor nicht viel mehr fürchten muss als davor, mit anderen teilen zu müssen.

Ungarn hat laut Pro Asyl mehr als 100 Millionen Euro für die Errichtung von Stacheldraht gegen Menschen ausgeben.

Wer einen Zaun zieht, schützt sich vor anderen. Aber er grenzt sich auch ab und gleichzeitig auch aus. Wer die Augen verschließen will davor, dass es keine Welt geben kann, in der wir die Insel sind, die es vor anderen zu schützen gilt um jeden Preis, auch um den der Menschlichkeit, um den aller christlichen, aller sozialen Werte, der belügt sich selbst.

Niemand ist eine Insel.
Auch Bayern nicht. Auch Sachsen nicht.
Aber vielleicht erreichen die Seehofers und Söders, die Petrys, Pegidas und Populisten am Ende eine Grenze, die uns langfristig vor ihnen schützt.

Stacheldraht SW

Stacheldraht gegen Mensch – wider soziale und christliche Werte, Foto: Heike Pohl

 

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

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