Brutal zusammengeschlagen – obdachlos und ein Opfer von Gewalt


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Relu liegt in Hamburg im Krankenhaus. Foto: Andrei Schwartz

Das ist die traurige Geschichte des obdachlosen Jungen Relu, einem Rom aus Rumänien, der in Deutschland betteln geht, um seine Familie zu ernähren.
Über Relu und davon, dass ihn ein unbekannter Täter brutal zusammenschlug, berichtete vor Kurzem das Straßenmagazin Hinz&Kunzt aus Hamburg.
Auf Nachfrage in der Redaktion bekam ich Kontakt zu Andrei Schwartz, einem Filmemacher, Regisseur und Drehbuchautor, der über die Leute aus Relus Dorf bereits einen Dokumentarfilm drehte.
Andrei hat für Relu bei der Polizei übersetzt, und er kümmert sich um den Jungen.
Weil ich nicht akzeptieren will, dass ein Mensch – weder wegen seiner Nationalität noch wegen seiner Armut noch aus anderen Anlässen – ein Opfer von Gewalt wird, habe ich für Relu eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Sie soll ein Zeichen sein dafür, dass wir Gewalt nicht dulden.

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Klicken Sie bitte einfach auf das Foto, um zur Spendenseite zu gelangen.

Andrei Schwartz wird die gesammelte Summe für Relu in Empfang nehmen.
Auch wenn man es kaum glauben mag, mit seinen 19 Lebensjahren ist der Junge der Ernährer der Familie. Denn es gibt sie: Diese perspektivlose Armut, die Menschen keine Chance lässt. Sie lässt sich nicht schönreden. Sie lässt sich nicht wegdiskutieren. Sie lässt sich kaum beurteilen. Und werten sollten wir sie schon gar nicht.

Dass der Junge mit gebrochenen Knochen und schweren Prellungen im Krankenhaus lag, war für diese Menschen, die nichts haben außer sich selbst, eine Katastrophe.
Das gebrochene Bein von Relu heilt leider nur langsam, das mag auch an seiner Diabetes liegen. In seine zerbrochene Seele kann keiner sehen.
Aber ich bin sicher, wir bringen gemeinsam ein bisschen Licht in ein Leben, das keiner von uns führen wollte.

Link zum Spendenaufruf
https://www.leetchi.com/c/nothilfe-fuer-relu

Links zu den Hinz&Kunzt-Artikeln
http://www.hinzundkunzt.de/brutaler-angriff-auf-jungen-obdachlosen/
https://www.hinzundkunzt.de/tatverdaechtiger-identifiziert/

Link zur Biographie von Filmemacher, Regisseur und Drehbuchautor Andrei Schwartz auf filmportal.de
http://www.filmportal.de/person/andrei-schwartz_fdea7889803d442b9d2e355fd4cebd27

Link zur Facebookseite für Relu
https://www.facebook.com/hilfe.fuer.Relu/

 


Und das ist Relus traurige Geschichte

Ende September 2016 – Niculaie L. sitzt auf dem Parkplatz vor einem Einkaufs-Markt im Hamburger Stadtteil Rahlstedt. Der Junge ist 19 Jahre alt, Rom, arm und zuckerkrank. Neben dem Pappbecher, in den Passanten aus Mitleid ein paar Euro fallen lassen, liegt ein Karton. Darauf steht in krakeligen Buchstaben: Ich bin an Diabetes erkrankt und ich brauche Insulin. 

In der Plastiktüte daneben befindet sich sein Notfallset – Insulin in Ampullen, Spritzen – was der Junge braucht, wenn der Zuckerspiegel im Keller ist.

Seine 19 Jahre sieht man Niculaie, den alle einfach Relu nennen, nicht an. Der Junge ist zierlich, schlank und schüchtern und wirkt allenfalls wie 15.

Viel hat er heute noch nicht gesammelt. Vielleicht reicht es für etwas zu essen, für seine Medizin. Da rollt ein Geländewagen auf den Parkplatz, Musik dröhnt durch die Scheiben. Am Steuer sitzt eine langhaarige Frau, mit ihr im Fahrzeug zwei Männer. Während die Frau und einer der beiden Männer in den Supermarkt gehen, um einzukaufen, kommt der andere Mann auf Niculaie zu.

„Er hat mit der Hand gezeigt, dass ich weiter soll, weg, weg!“, wird sich Relu später an diesen Moment erinnern. Dann geht alles sehr schnell. Der Mann, ca. 1.75 bis 1.80 Meter groß, etwa 30 Jahre alt, kräftig bis muskulös, glatzköpfig und tätowiert, baut sich vor dem Jungen auf. Er schnappt sich Relus ganze Habe – den Pappbecher, das Diabetes-Schild und die Plastiktüte – marschiert zu einem Mülleimer und wirft alles hinein.

„Entschuldigung, Entschuldigung Chef, kein Problem!“, versucht Relu in seiner Furcht zu schlichten. Er will keinen Ärger, nur sein Insulinbesteck, die Ampullen und Spritzen, weil sie für ihn lebenswichtig ist. Der Junge wartet einen Moment, bis er sich wieder halbwegs sicher fühlt. Dann läuft er zum Mülleimer, um nach seinen Habeseligkeiten zu sehen.

Der erste heftige Schlag trifft Relu mitten in sein Gesicht und hebt ihn aus den Schuhen. Er rappelt sich auf, will fliehen und entkommen, aber der Schläger lässt das nicht zu. Die Tritte des kräftigen Mannes treffen Relu von hinten. Sie treffen ihn im Rücken und an den Beinen. Der Mann verfolgt ihn, die Wucht der Schläge ist groß, ein letzter massiver Tritt, zwischen seine Beine platziert, und Relu landet im Bogen auf dem Asphalt, wo er liegen bleibt.

Eine Frau mischt sich ein, sie hat die Szene beobachtet und will den Schläger abhalten, weiter auf den Jungen einzutreten, doch der ist nicht zu bremsen und bedroht schließlich auch sie, sodass sie sich mit ihrem Kind im Einkaufs-Markt in Sicherheit bringt.

Im Krankenhaus werden die Ärzte an diesem Tag in einer Notoperation bei Relu eine doppelte Fraktur des rechten Schienbeines sowie mehrfache Prellungen diagnostizieren. Und die Polizei wird gegen Unbekannt ermitteln, wegen des Verdachtes der gefährlichen Körperverletzung. Der Täter war geflohen, zu Fuß. Und auch die Fahrerin des Geländewagens verschwand unerkannt. Doch mindestens eine Zeugin hatte die Szene beobachtet. Die Frau habe ihm über den Kopf gestreichelt und ihn zu trösten versucht, gibt Relu zu Protokoll. Eine  zweite Frau und Zeugin muss wohl den Rettungswagen und die Polizei gerufen haben.

Der Junge muss nun nicht nur mit den Schmerzen leben und mit der Angst, Opfer willkürlicher Gewalt geworden zu sein. Wahrscheinlich wird Relu auch eine hohe Rechnung zu bezahlen haben für die Operation und seinen Aufenthalt in einem Hamburger Krankenhaus. Eine Krankenversicherung hat der Junge nicht.

Auch wenn Relus Freunde hoffen, dass durch seine Aussage der Täter gefunden werden kann, so wäre damit längst nicht klar, wie allein der finanzielle Schaden zu beheben ist.

Relus größter Wunsch sei ein Job, erzählt er einem Mann, der es gut mit ihm meint. Einem Mann, der mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde für seine Dokumentarfilme, einem Regisseur, Filmemacher und Autor, dem Hamburger Andrei Schwartz.

Und mit Andrei Schwartz spreche schließlich auch ich. Über seine Sympathie für die Roma, seine Freundschaft mit Relu, über Armut in Europa, Bettler aus Rumänien und die Chancen, die ein Junge wie Relu auf ein Leben in Würde haben kann. Der Regisseur arbeitet aktuell an einem Dokumentarfilmprojekt, das sich mit der Armut in Rumänien befasst. Er porträtiert darin die BewohnerInnen des Dorfes, südlich der Karpaten, aus dem auch Relu stammt.

Andrei Schwartz wird den Spendenbetrag direkt an Relu weiterleiten.

Relu kennt seinen Peiniger nicht. Er ist diesem Mann niemals zuvor begegnet. Der Junge war zur falschen Zeit am falschen Ort. Und sein einziges „Verbrechen“ ist es, bettelarm zu sein.


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Mit einem Klick auf das Foto gelangen Sie zur Spendenseite für Relu. Ich danke Ihnen herzlich!

Aktualisiert:
Inzwischen hat sich eine zweite Zeugin gemeldet. Der Tatverdächtige konnte identifiziert werden. Es ist ein Verfahren eingeleitet.

 

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Über Heike Pohl

ambitionierte quasselstrippe | freie journalistin | fotografin | gedankenspielerin | hobbygärtnerin

2 Kommentare

  1. Pingback: Brutal zusammengeschlagen – obdachlos und ein Opfer von Gewalt — heike pohl | westendstories

  2. Tut mir sehr sehr weh was ich über den Jungen lese. Alles Gute für ihn…

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