Willkommen auf meinem Blog

Sommergarten

Der Regensommer 2017 hat meinen Garten ruiniert. Fast. Im Dauerregen war Land unter und ab August konnte man den weichen Marschboden nicht mehr betreten, ohne tiefe Spuren zu hinterlassen.
Im Frühjahr 2018 war alles zugewuchert, Kriechgras hatte meine Stauden im Würgegriff und was überlebt hatte, sah kümmerlich aus.

Ein guter Zeitpunkt für einen Neuanfang, hab ich mir gedacht.
Alles (fast) musste raus. Und dann mit Plan Neues rein. Gräser. Rosen. Stauden.
Ein Weg, den man auch begehen kann.

Ein paar Monate sind vergangen. Und es ist dem Garten nicht mehr anzusehen, wie kahl es kürzlich noch aussah. Und lachen muss ich über mich, die ich im Leben immer lieber ein bisschen zu viel von allem mache als zu wenig. Alles ist wunderbar angewachsen, die Rosen blühen zum zweiten Mal. Rudbeckia ist der Sommerhit. Ebenso wie der Scheinsonnenhut. Der Sommerflieder. Die Stockrose. Die Gräser. Der Riesenhibiskus – die Blüten handtellergroß. Die Petunien.

Ich bin glücklich, dass ich das erleben darf. Und dass wir einen Maulwurf haben, der mich zur Weißglut bringt. Sonst ging’s mir hier doch glatt zu gut.

Ich lade zum Spaziergang ein.
(Mit einem Klick auf das erste Bild öffnet sich die Großansicht. Ich wünsche Freude im Überfluss.)

Rudi rockt.

Rudi ist ein kleiner und quirliger Australin Shepard-Welpe, der es faustdick hinter den kleinen Öhrchen hat. Die Fotos sind bei einem zufälligen Treffen entstanden und minimal bearbeitet.

Rudi ist ein Naturtalent beim Posing. Allerdings ist er dabei auch so schnell und spontan, dass die Kamera in ständiger Gefahr war. 🙂

Der kleine Bursche hört aber schon wirklich prima und läuft mir sicher noch einige Male über den Weg.

Mundraub

Ich liebe Kirschen. Also genau genommen liebe ich es, Kirschen zu stibitzen. Es gab nichts Verführerischeres, nichts Aufregenderes und nichts Spannenderes, als über die Streuobstwiesen meiner schwäbischen Heimat zu pirschen und nach den Zweigen zu springen, die am höchsten hingen oder eigentlich unerreichbar waren, oder sie per Räuberleiter zu erklimmen.

An jedem Baum schmeckten die Früchte anders. Und bei jeder geklauten Handvoll aß die Furcht mit, der Bauer würde uns erwischen und sein Donnerwetter über uns ergehen lassen.
Eigentlich waren die unscheinbaren, blassgelb und nur leicht rötlichen Kirschen die leckersten. Sie hatten bislang unerreichtes Kirscharoma und eine leicht bitter-saure Süße. Aber sie kamen trotzdem nicht an gegen die riesigen, prallen und dunkelroten Süßkirschen, deren Saft durch die Zahnlücken spritze und von den Fingern auf T-Shirts und Hosenbeine wanderte.

Irgendwann war ich zu alt für Mundraub bzw. vielmehr dafür, dass man ihn mir durchgehen ließ. Nicht eine einzige gekaufte Kirsche kam aber je dem Geschmack der stibitzten nach. Weder die süßen Kirschen vom Rand der Schwäbischen Alb, aus Beuren, Neuffen und Umgebung, noch die aus dem Brandenburgischen noch die aus dem Alten Land bei Hamburg. Stattdessen erinnere ich mich an einen Kirschbaum, der bei Freunden meiner Eltern im Garten stand. Der wurde verteidigt gegen Stare und Amseln und freigegeben für das jährliche Sommerfest, wenn auch wir Kinder zu Gast sein durften.
Fest vorgenommen habe ich mir das damals nicht, aber der Gedanke, irgendwann einmal einen eigenen großen Baum, ja sogar einen eigenen Garten zu haben, der gefiel mir schon damals sehr gut.

Inzwischen sind 40 Jahre vergangen. Und mein Baum – unser Baum – trägt zum ersten Mal so richtig Früchte. Er steht im Zentrum unseres Gartens und auch als Metapher.
Für meinen Kindertraum, der wahr geworden ist.

Damit der Kirschbaum nicht allein stehen muss, hab ich in den letzten 10 Jahren ein bisschen Garten um ihm ihn herum angelegt. Und der trägt im Juni Rosenflor.

Ich lade auf einen kleinen Spaziergang ein.
Nur die Kirschen, die sind noch nicht ganz reif!

 

 

Lots of Shades of Green

Zu keiner anderen Jahreszeit zeigt sich die Farbe in Grün in mehr Nuancen, als im Frühling. Jedenfalls kommt mir das so vor, was auch daran liegen mag, dass ich nach Monaten grauer Tristesse jedes Blättchen und jeden Halm einzeln und beim Namen begrüßen mag.

Mein Herz jubiliert, wenn das Sonnenlicht die Farben brillieren lässt. Und wenn am Abend das Zusammenspiel aus Licht und Schatten zarte Blättchen und Halme leuchtend in Szene setzt. Ich kann mich nicht sattsehen am Grün der Maiglöckchen, zarten Birkenblättern, am gekräuselten, gelblichen Laub der Eichen. Am kräftigen Grün von Sauerklee, an Blattstrukturen und -Formen und am Licht, das noch den Waldboden erreicht. Oder am Farbspiel in Meernähe, wenn Blau, Grün, Braun und Beige aufeinandertreffen.

 

April – eine Laune des Glücks

Mit einem Klick auf eines der Fotos öffnet sich die große Ansicht.

Schäfchen zählen.

Sie gehören auch für mich zu Ostern ~ die Lämmer. Allerdings eher weniger auf den Teller, denn mehr auf die Weiden, Wiesen und Deiche.
Manche sind schon etwas älter, andere frisch geschlüpft und immer aber sind sie quirlig, neugierig und verspielt.

Vom „Lämmertanz“ sprechen wir hier, wenn der Schafskindergarten am Abend, kurz vor der Dämmerung, noch einmal so richtig aufdreht.
Dann flitzen die Lämmchen in wilden Bocksprüngen durch’s Gras, eins übers andere, und mischen die Alten so richtig auf. Bevor sie dann, von einer Sekunde zur anderen, ermatten, mit den dürren Beinchen einknicken und sich schlafen legen.

Zwei Artfremde hab ich in der großen Herde versteckt.
Viel Spaß beim Suchen und:

Frohe Ostern!

Ein Klick auf eines der Fotos öffnet die große Ansicht in der Galerie. 🙂

 

Der Krokus – eine Rose von Scharon

Die hübschen Krokusse blühen über den ganzen Erdball verteilt, was sie in den wohlwollenden Verdacht geraten ließ, dass es sich bei ihnen um die in der Bibel zitierte, berühmte „Rose von Scharon“ handeln könne. Die Reihe der Hauptverdächtigen teilt sich der Krokus bislang mit Zistrosen, Gladiolen, Berg-Tulpen, Strauß-Narzissen und Madonnen-Lilien, und weil er zu den Ersten gehört, die im Frühling unsere Sehnsucht nach Farben, Blüten und Blühendem stillen, gönne ich ihm diese berühmte Rolle doch von Herzen.

Auf der Suche nach den ersten Blüten in diesem bislang eher tristen und grauen Jahr, mit seinem recht lang anhaltenden Winterwetter, bin ich bis nach Husum gefahren, wo sich das berühmte „Krokusblütenfest“ doch auch sehr als PR-Idee der Tourismusbehörde erwiesen hat. Ich will gewiss nicht undankbar sein, es sind wirklich tausende Krokusse zu sehen und das sieht auch wirklich hübsch aus. Doch einen Schlosspark, den hatte ich mir sehr viel opulenter, vielfältiger und artenreicher vorgestellt. Wunderschön – das räume ich gerne ein – die uralten Baumriesen, zu deren Füßen die „Kroküsse“ um die Wette blühen. Vielleicht fehlte es auch einfach an Sonne an diesem Tag, ich werde dem Park und den Krokussen auf jeden Fall eine zweite Chance einräumen.

Die schönsten Krokuswiesen habe ich tatsächlich aber gar nicht so weit entfernt entdeckt. In zwei liebevoll gestalteten Gärten, beide in älteren und erfahrenen Gärtnerhänden. In Wacken blühen Krokusse, Märzenbecher und Winterlinge unter alten Obstbäumen und bilden eine zauberhafte Kulisse zum alten Bauernhaus, zu dem sie gehören.
Und in Kaaks präsentieren sich – vis-á-vis zu einem Ehrenmal – hunderte Krokusse in allen Farben – sie blühen weiß, weiß-violett, lila, flieder und gelb und in solcher Fülle, dass ich – vollkommen reizüberflutet – mich gar nicht sattsehen konnte.
Und auch im Stadtpark von Wilster und rund um das Colosseum blühen sie zurzeit in voller Pracht.

Apropos satt: Die ersten Bienen waren vor mir dort. Sie tauchen ein in die tiefen Kelche, die behaarten Beinchen vom Pollen schwer, um Nektar zu saugen.

Darum mein Plädoyer an alle, die Land rund ums Haus haben:
Gebt den Bienchen Zucker!
Und hört auf, alles Grün mit Steinen und Gabionen zu ersticken.

Frohe Ostern allen meinen Leserinnen und Lesern und viel Freude mit dieser Farbenpracht.